Merseburg: Schilder-Wirrwarr abgelehnt

22.08.2012 20:13 Uhr | Aktualisiert 22.08.2012 22:21 Uhr
Rainer Pitschke vom «Schilderladen» in Halle zeigt neben den SK- auch alte MQ-Schilder. Zumindest MER und QFT könnten wieder dazukommen. (ARCHIVFOTO: DAPD) 
Von Frank Czerwonn und Regina Retzlaff
Wer im Saalekreis ein Auto zulässt, hat keine Wahl. Er bekommt das SK-Einheitskennzeichen. Das aber könnte sich bald ändern. Denn Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) will die Kfz-Kennzeichen freigeben. In den großen Saalekreis-Gemeinden stößt das auf viel Skepsis.
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Merseburg/MZ. 

Wer im Saalekreis ein Auto zulässt, hat keine Wahl. Er bekommt das SK-Einheitskennzeichen. Das aber könnte sich bald ändern. Denn Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) will die Kfz-Kennzeichen freigeben. Dann könnten nicht nur Alt-Kennzeichen wie MER oder QFT wieder auftauchen, sondern auch völlig neue wie BAL, LEU oder SCH gesichtet werden. Denn auch Städte und Gemeinden, die nie ein eigenes Kennzeichen hatten, will Ramsauer eine Buchstabenkombination wählen lassen. Doch offenbar will das im Saalekreis kaum jemand.

"Als ob wir keine anderen Probleme hätten", zeigt Leunas Bürgermeisterin Dietlind Hagenau (parteilos) wenig Begeisterung für die Idee. Die Leunaer hätten seit DDR-Zeiten schon mehrere Kennzeichen verpasst bekommen. Das brauche man nicht schon wieder. "Das wäre ein riesiger Verwaltungsaufwand, nur damit einige wenige ihr Mütchen kühlen können." Hagenau sieht den Vorschlag als Sommerloch-Idee. "Wir sind Einwohner des Saalekreises und an den Autos steht SK. Was wollen wir denn noch?"

Bad Lauchstädts stellvertretender Bürgermeister Gerald Mog kann sich nicht vorstellen, dass die Goethestadt plötzlich BL oder BAL bekommt. "Das würde doch nur ein noch größeres Wirrwarr bedeuten", meint Mog. Man solle bei den jetzigen Kennzeichen bleiben. "Das ist wenigstens übersichtlich."

Schkopaus stellvertretender Bürgermeister Matthias Weiß kennt niemanden, der für die Großgemeinde ein eigenes Kennzeichen will. "Wie sollte das denn lauten? SCH etwa?" Er würde völlig reichen, das Alt-Kennzeichen MQ wieder einzuführen. "Das ist heimatverbundener als SK."

Merseburgs Oberbürgermeister Jens Bühligen (CDU) sieht das ganz anders: "Ein Zurück zu MQ wäre Quatsch." Wenn, dann sollte man - wie bereits debattiert werde - die Kennzeichen früherer Kreise wie Merseburg, Querfurt, Weißenfels oder Nebra reaktivieren. Für die Kreisstadt Merseburg plädiert Bühligen jedenfalls für das alte MER. "Das wäre eine willkommene Bereicherung und würde nach Außen zur Identifizierung mit der Stadt beitragen. " Die Ramsauer-Idee dagegen, jedem kleinen Ort ein Kennzeichen zu verschaffen, gehe ihm zu weit.

"Wenn wir, so wie im Stadtrat beschlossen, das QFT-Kennzeichen wiederbekommen würden, wäre das in Ordnung. Alles andere halte ich für ausufernde Bürokratie", so Querfurts Hauptamtsleiter Torsten Pohl. Die Stadt habe 14 Ortsteile. Was wäre das für ein Aufwand, jedem ein Extra-Kennzeichen zu verpassen und es dabei noch jedem Recht zu machen. Auch Roswitha Meyer (parteilos), Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Weida-Land, winkt ab. "Wir haben hier unten an der Basis ganz andere Probleme zu lösen. Um Heimatverbundenheit zu bekunden, braucht man kein extra Kfz-Kennzeichen."

Auch Landrat Frank Bannert (CDU) ist kein Freund der Ramsauerschen Idee. Sie würde die in den Kreisgebietsreform-Debatten mühsam gefundene Einheit im Saalekreis wieder zerschlagen. "Ein Auto-Kennzeichen verbindet und ist auch ein Stück Identität. Das SK ist eine gute Wahl." Er habe aber Verständnis, wenn Kommunen ihre ehemaligen Kennzeichen wieder einführen wollten.