Tausende tote Fische wurden am Ufer des Hinteren Gotthardteiches angespült. Der Grund für das massive Sterben wird noch ermittelt. (FOTO: PETER WÖLK)
Hilmar Knoblauch steht das Entsetzen ins Gesicht geschrieben. Am Nordufer des Hinteren Gotthardteiches in Merseburg (Saalekreis) hat die Strömung am Wochenende tausende tote Fische angespült. Zumeist sind es Rotfedern oder Plötze. Aber auch Schleie und Karpfen treiben im Wasser. „Für uns ist dieses massive Fischsterben eine Katastrophe“, sagt der Vorsitzende des Kreisanglervereins Merseburg. Der Verband hat das Gewässer im Zentrum gepachtet. „Der Schaden beträgt mehrere tausend Euro.“
Zu viele Nährstoffe
Dirk Alscher von der Unteren Wasserbehörde des Kreises hält einen plötzlichen Sauerstoffverlust im Wasser für den wahrscheinlichsten Grund des Fischsterbens. „Nach der langen Trockenphase kam am Freitag der große Regen. Dabei wurden Unmengen an Pollen und Schwebestoffen aus der Luft und vom Boden ins Wasser gespült. Der See wurde derart mit Nährstoffen angereichert, dass der Sauerstoffgehalt rapide abnahm“, erklärt Alscher. Genaue Erkenntnisse soll nun die Analyse von Wasserproben bringen. Daniela Apitz vom Veterinäramt tütet derweil tote Fische ein, die in einem Labor in Stendal (Altmark) untersucht werden sollen. In zwei bis drei Wochen rechnet sie mit einem Ergebnis. „Wir müssen abklären, ob es sich eventuell um eine Tierseuche handeln könnte. Doch danach sieht es im Moment nicht aus.“
Die Behörden gehen aber noch einer anderen Spur nach. So wurde in der Geisel, einem Zulauf des Teiches, ein leerer ABC-Löscher gefunden. Die Feuerwehr hält das Pulver nach einer ersten Untersuchung für Ammoniumsulfat - und auch das könnte den Sauerstoffhaushalt negativ beeinflussen. Dass die Substanz das Fischsterben im fast einen Hektar großen Hinteren Gotthardteich ausgelöst hat, glaubt Dirk Alscher aber nicht. „Dafür reicht die Menge nicht aus.“
Polizei ermittelt
Eine akute Gefahr für die Bevölkerung bestehe nicht, versichert Hartmut Handschak, zuständiger Dezernent der Kreisverwaltung. „Baden ist ohnehin verboten, und fischen dürfen hier nur die Angler.“ Für deren Kreisvorsitzenden Knobloch ist aber fraglich, ob der Sauerstoffverlust wirklich eine natürliche Ursache hat. Man sei regelmäßig an den Gotthardteichen im Einsatz. Und Probleme seien bis zuletzt nicht festgestellt worden. Auch die Polizei ermittelt - zunächst gegen unbekannt.