Obhausen: Anklage, weil falsches Haus gestürmt wurde?

10.08.2012 20:13 Uhr | Aktualisiert 10.08.2012 21:44 Uhr
Bei dem Polizeieinsatz im falschen Haus ging auch das Sicherheitsglas der Balkontür zu Bruch. (FOTO: PETER WÖLK) 
Von Tilo Krippendorf
Ein schiefgelaufener Polizeieinsatz in Obhausen droht für einige Beamte schwerwiegende Folgen zu haben. Bei einer Hausdurchsuchung am 5. Juni war ein 17-Jähriger verletzt worden. Zudem entstand Sachschaden an der Wohnung der betroffenen Familie.
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Obhausen/MZ. 

Diese verklagt die Beamten nun wegen Körperverletzung im Amt sowie Sachbeschädigung. Das Kuriose an dem Fall: Die Polizisten stümten damals das falsche Haus.

Ein kurzer Rückblick: Für Familie M. aus Obhausen beginnt an diesem Dienstagmorgen der Tag ganz anders als sonst. Die Eltern liegen noch im Bett, die beiden 17-jährigen Söhne, sie sind Zwillinge, bereiten sich gerade auf die Schule vor. Kurz vor sieben Uhr stürmt plötzlich ein Trupp bewaffneter Vermummter in das Mehrfamilienhaus. Über eine Leiter kommen sie zudem durch die Balkontür, deren Sicherheitsglas zu Bruch geht.

Einer der Söhne stürmt entsetzt die Treppen zum Schlafzimmer der Eltern hinauf, schreit etwas von Einbrechern. Die Vermummten stürmen hinterher, mit Schusswaffen im Anschlag. Ein Sohn bekommt eine Ladung Pfefferspray ins Gesicht, er wird deshalb später im Krankenhaus landen. Doch damit nicht genug: Die vier Familienmitglieder werden schließlich gezwungen, sich mit dem Bauch auf den Boden zu legen, einer der Söhne liegt in der Küche auf den Scherben der Balkontür. Das alles passiert blitzschnell. Kurze Zeit später ist aber klar: Es war die Polizei, die sich in der Hausnummer geirrt hat. "Dass es sich um Polizisten handelt, wussten wir nicht. Sie hatten sich anfangs nicht zu erkennen gegeben. Es war furchtbar", sagte Mutter Dörte damals der MZ.

An dem missglückten Einsatz seien Beamte des Polizeireviers Saalekreis, des Zentralen Einsatzdienstes sowie der Landesbereitschaftspolizei beteiligt gewesen, so Ralf Karlstedt, Sprecher der Polizeidirektion (PD) Süd. Obwohl die Beamten nach Aussage der Familie vermummt gewesen seien und keine Namensschilder getragen hätten, sei es kein Sondereinsatzkommando gewesen, so der Sprecher.

Die materiellen Schadensersatzansprüche wurden zwar inzwischen geregelt, doch die Ermittlungen laufen weiter. Im Moment seien die Akten von der ermittelnden PD Nord zur Staatsanwaltschaft Halle unterwegs. Dort werde der Sachverhalt dann eingehend geprüft und entschieden, ob Anklage gegen die Polizisten erhoben werde, so die Staatsanwaltschaft.