Die Schilder warnen: Achtung, Wildwechsel. Trotzdem gehen viele Autofahrer nicht vom Gas. (FOTO: ARCHIV)
Die Querfurter Jäger haben im vergangenen Jahr ihren Plan nicht erfüllt. Das heißt, sie haben - wie auch die anderen Waidgenossen im Süden des Landes - weniger Wild erlegt als eigentlich erlaubt. Tatsächlich lagen die Abschüsse sowohl bei Schwarzkitteln als auch Rot-, Dam- und Rehwild deutlich unter den vorgesehenen Quoten. "Der Bestand gibt einfach nicht mehr her", hat Klaus-Dieter Reh als Erklärung parat.
Für den langjährigen Vorsitzenden der Jägerschaft Querfurt sind die immer wieder kursierenden Geschichten von viel zu vielen Rehen, Hirschen und Wildschweinen in heimischen Wäldern die blanke Mär. "Der Wildbestand hier bei uns ist nicht zu hoch", dementiert Reh derartige Ansagen kategorisch. Aufgrund der zahlreichen Wildunfälle könne bei manchem allerdings dieser Eindruck entstehen. So war es nur natürlich, dass sich die Jägerschaft am Sonnabend zu ihrer Vollversammlung auch damit beschäftigte.
820 registrierte Wildunfälle habe es im vergangenen Jahr im Saalekreis gegeben, davon 182 im Querfurter Bereich. Viel zu viele, finden sie. Denn dadurch entstünden dann solche Gerüchte wie das vom zu hohen Wildbestand. Schon seit Jahren suche man gemeinsam mit Polizei und Verkehrsrechtlern nach Möglichkeiten, hier gegenzusteuern. Klaus Dieter Reh sieht dabei zwei hausgemachte Probleme: "Oft ignorieren Kraftfahrer entsprechende Hinweisschilder und halten sich nicht an die vorgegebene Geschwindigkeit", meint er. Noch fataler sei aber, dass jahrelang sogenannte Ausgleichsflächen unmittelbar an Hauptstraßen errichtet wurden. Damit werde das Wild ja regelrecht auf die Straße gelockt. Zudem führten die ICE-Strecke und die Autobahnen durch Gebiete, durch die seit jeher das Wild wechsele. Warnanlagen wie in Ziegelroda funktionierten zwar gut, aber dafür suchen sich Bock, Reh und Fuchs dann andere, für sie gefährlichere Wege.
Während anderswo im großstädtischen Raum Wildschweine schon Grünanlagen verwüsteten, bleiben die Querfurter Schwarzkittel bisher lieber im Wald. Nur den Fuchs verschlage es öfter auch in die Ortschaften. Kein Problem gebe es in der Region bisher mit Waschbär und Co, bekräftigte Reh.
Der 69-Jährige steht seit 20 Jahren an der Spitze der Querfurter Jägerschaft. 151 Mitglieder gehören ihr an, die sich um weit mehr als die Jagd kümmern. Dazu gehören zum Beispiel die Anlage von Wildäckern im Wald, auf denen die Tiere äsen, die Fütterung im Winter oder der Bau von Nistkästen. Wie sehen das die Leute? Klaus-Dieter Reh wiegt den Kopf: "Wenn wir Spaziergängern sagen, dass sie Hunde im Wald anleinen müssen, sind manche sauer. Vorträge über Wild, Wald und Natur und die Hundeausbildung kommen aber immer gut an. "