Saalekreis: Brandstifter unterwegs in Merseburg Süd

15.05.2012 14:39 Uhr | Aktualisiert 15.05.2012 21:18 Uhr
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Dachstuhl im Merseburger Amselweg

Der Dachstuhl des Wohnblocks im Amselweg brannte innerhalb weniger Minuten lichterloh. (FOTO: MARCO JUNGHANS)

Von DIRK SKRZYPCZAK
In Merseburg Süd treibt offenbar ein Feuerteufel sein Unwesen. Innerhalb von 24 Stunden hat es in dem Stadtteil bereits fünf Mal gebrannt. Vier Mal züngelten Flammen in Wohnblocks, einmal in einem Papiercontainer.
MERSEBURG/MZ. 

Eine schwarze Rauchsäule türmt sich hoch über Merseburg-Süd auf. Im Amselweg brennt der Dachstuhl eines Wohnblocks lichterloh. "Das ging so schnell, da stand das Dach in Flammen", sagt ein Anwohner. Zum dritten Mal muss die Feuerwehr an diesem Dienstag ausrücken. Kurz zuvor hatten ganz in der Nähe in der Straße des Friedens erst ein Papiercontainer und dann der Keller in einem Mietshaus gebrannt. Am Montag wurde die Feuerwehr bereits zu zwei Einsätzen in die Arthur-Scheibner-Straße gerufen. Fünf Brände im Stadtteil Süd in 24 Stunden: Zufall? "Unwahrscheinlich. Brandstiftung ist nicht auszuschließen", sagt Polizeisprecher Jürgen Müller. "Wir ermitteln mit Hochdruck. Mehr können wir erst sagen, wenn die Ergebnisse der Untersuchungen von den Brandorten vorliegen", erklärt Olaf Seidel, Leiter des Reviereinsatzdienstes.

Doch die Lage spitzt sich gefährlich zu. Erst gab es am Montag in der Arthur-Scheibner-Straße einen Brand auf einem Dachboden, dann schlugen Flammen in der Nachbarschaft aus dem Keller eines Wohnhauses. Da die Feuer schnell entdeckt werden konnten, wurde Schlimmeres verhindert. Im Amselweg ist der Brand hingegen verheerend. Der Dachstuhl wird fast vollständig zerstört. Das Haus, aus dem sich die Bewohner rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten, ist vorerst nicht nutzbar. Den Schaden schätzt die Wohnungsgenossenschaft "KohleGeiseltal" auf mehrere hunderttausend Euro.

"Es muss sich um einen Wahnsinnigen handeln, der diese Feuer legt. Es hätte Tote geben können", sagt ein Feuerwehrmann. Mit einem Großaufgebot sind die Wehren aus Merseburg, Geusa und Leuna vor Ort. Von der Drehleiter aus kämpfen sie gegen die Flammen. "Es ist lange her, dass wir so viele Brände innerhalb kurzer Zeit in einem begrenzten Gebiet hatten. Wer auch dahinter steckt, er spielt mit dem Leben der Menschen", sagt Michael Jahn, Einsatzleiter von der hauptamtlichen Wachbereitschaft der Merseburger Feuerwehr.

Die Gesichter der Kameraden sind ebenso angespannt wie das von Gerd Werner. Der Vorstandsvorsitzende der WG "KohleGeiseltal" macht sich vor Ort ein Bild von der Situation. "Ich bin erleichtert, dass es keine Verletzten gibt. Den betroffenen Mietern werden wir Ersatzunterkünfte bereitstellen." Ob sie denn jemals in ihre Wohnung zurück könne, will eine Bewohnerin wissen. "Wir werden das Haus in Ordnung bringen. Versprochen", versichert Werner. Allerdings müsse man sich erst ein Bild vom Schaden machen. Die letzte Wohnung in dem Block war erst 2011 saniert worden. Jetzt muss der Bereich um den Dreigeschosser abgesperrt werden. Laut Feuerwehr ist der Ostgiebel einsturzgefährdet. 15 000 Wohnungen hat die WG in ihrem Bestand, davon 407 in Merseburg. "Mit so einem Brand hatten wir noch nicht zu tun. Ich kann nur hoffen, dass die Polizei den Verursacher schnell schnappt, damit nicht noch mehr Unruhe aufkommt", sagt Gerd Werner.

Unterdessen machen Theorien unter Passanten die Runde. Einer will einen weißen Transporter gesehen haben, der schnell davongerast ist. Andere eine Person mit einer Gummimaske. Die Polizei will ihre Präsenz mit einer erhöhten Streifentätigkeit in Merseburg-Süd verstärken. Ob bei allen fünf Bränden auch tatsächlich ein Feuerteufel seine Hand im Spiel hatte, sei gar nicht sicher, betont Sprecher Jürgen Müller. So komme beim Dachbodenbrand am Montag in der Arthur-Scheibner-Straße auch ein technischer Defekt als Brandursache in Betracht.