Torsten Naunapper (l.) macht als Auszubildender im ersten Lehrjahr die Arbeit von Marktleiter Daniel Janecke (r.) und bestellt die Waren. (FOTO: PETER WÖLK)
Daniel Janecke ist erstaunlich entspannt. Und das, obwohl er gerade die Zügel aus der Hand gegeben hat. Janecke ist der Leiter des Netto-Marktes in der Bad Dürrenberger Seumestraße. Eigentlich. Denn in dieser Woche haben Auszubildende der Discounterkette dort das Sagen. "Sie machen alles, was sonst meine Aufgaben sind", so der 28-jährige gelernte Einzelhandelskaufmann.
Dazu sind die gesamte Woche über insgesamt 30 junge Leute aller Lehrjahre bei ihm im Betrieb. Die kommen nicht nur aus der Umgebung, sondern aus dem gesamten Niederlassungsbereich Coswig, zu dem auch Bad Dürrenberg zählt. "Ich habe das vergangenes Jahr schon mal mitgemacht. Die ersten zwei Tage damals waren stressig, der Rest der Woche aber super. Und deswegen habe mich in diesem Jahr wieder bereit erklärt", so Janecke.
Den Auszubildenden im ersten Lehrjahr steht er aber dennoch helfend zur Seite, so auch bei Torsten Naunapper, der gerade die Bestellungen für den gesamten Laden erledigt und damit eine nicht unerhebliche Verantwortung trägt. "Ich bin schon ein bisschen aufgeregt, weil ich das zum ersten Mal mache", gibt der Bernburger zu, der eine Ausbildung zum Verkäufer absolviert. Außerdem hat er etwas Zeitdruck, denn die Bestellung muss jeden Tag bis 14 Uhr erfolgen. Da heißt es genau hinsehen, notfalls auch mal Dosen stapeln, um die Menge zu ermitteln und im Kopf nachrechnen, wie viel Nachschub nötig ist - und das für jeden Artikel im Sortiment des Marktes.
Ebenfalls aus Bernburg ist Angela Müller, die die gleiche Lehre macht. "Ich habe vorher vieles ausprobiert, zum Beispiel auch mal ein Praktikum im Kindergarten gemacht", erzählt die 20-Jährige. Ihr mache die Arbeit Spaß, sie sei mit ihrer jetzigen Wahl zufrieden. Auch weil sie für sich Karrieremöglichkeiten sieht. "Später selber mal einen Markt zu leiten, kann ich mir schon vorstellen", sagt sie. Nach der Lehre zur Verkäuferin wolle sie die Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau und zur Fachverkäuferin anschließen, nennt sie ihre Ziele.
Diesen Plan verfolgt Philipp Niehoff aus Merseburg auch, lässt sich aber noch nicht zu einer Aussage hinreißen, ob er später dauerhaft Chef sein will. Der 18-Jährige macht als einer von zwei Auszubildenden seine Lehre in Bad Dürrenberg. "Ich finde die Aktion witzig, weil man so einerseits Azubis aus anderen Regionen und andererseits die Verantwortung eines Marktleiters kennenlernen kann", sagt er. Es sei schon eine Herausforderung, die richtige Ware in der richtigen Menge zu bestellen.
"Ich verlange relativ viel von den Azubis in dieser Woche. Manche in höheren Lehrjahren bekommen wirklich viel Verantwortung, die anderen ordnen sich dann automatisch unter", berichtet Janecke aus seiner Erfahrung. Es gebe zudem eine Rotation bei den Aufgaben, so dass jeder alle Bereiche ausprobieren könne. Und auch wenn sie diese Woche die Chefs seien, den Respekt vor ihm verlieren sie trotzdem nicht, sagt er lächelnd.