Saalekreis: Das Phantom-Krokodil «Michel»

22.08.2012 20:11 Uhr | Aktualisiert 23.08.2012 11:52 Uhr
Lutz-Peter Wolk (l.) und Bürgermeister Steffen Schmitz auf Spurensuche am Großkaynaer See - gefunden wurden nur Hufabdrücke. (FOTO: C. FUHRMANN) 
Von Cornelia Fuhrmann
Reptilien-Kenner Lutz-Peter Wolk hält die Aussagen des Anglers, der im Großkaynaer See ein Krokodil gesehen haben will, für glaubwürdig. Zusammen mit Braunsbedras Bürgermeister Steffen Schmitz (CDU) hat er sich auf Spurensuche begeben - erfolglos.
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GROSSKAYNA/MZ. 

Lutz-Peter Wolk ist das, was man einen Reptilienkenner nennen kann. Der Bad Lauchstädter Hobby-Terrarianer hat mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Haltung und Zucht von Schlangen, Schildkröten und auch Großechsen - Krokodilen, Kaimanen und Alligatoren. Und er kennt deren Spuren. Eben solche hoffte er nun zusammen mit Braunsbedras Bürgermeister Steffen Schmitz (CDU) am Großkaynaer See zu finden - von "Michel", wie das Phantom-Reptil mittlerweile genannt wird. Um es vorweg zu nehmen, die Spurensuche am Westufer des Sees blieb erfolglos, vielleicht auch wegen des lautstarken Trainings der Drachenboot-Fahrer. "Die Abdrücke der Gliedmaßen und des Schwanzes würde man erkennen, aber die Echse muss das Wasser nicht verlassen haben", sagt Wolk, der sich ehrenamtlich als Berater gemeldet hatte.

Trotzdem, so sagt er, halte er die Aussagen des Anglers für glaubwürdig, der das Tier gesehen haben will. "Ich habe selbst mit ihm gesprochen. Der Mann hat lange überlegt, ob er seine Beobachtung überhaupt melden soll, weil er befürchtete, sich lächerlich zu machen", erzählt Lutz-Peter Wolk. Der Mann habe ihm im Stile eines erfahrenen Anglers von seiner Beobachtung berichtet, konnte beschreiben, dass sich vor dem Tier eine Bugwelle auftürmte und die Blesshühner und Haubentaucher "verrückt gespielt haben", als sich das "Objekt" ihnen näherte. "Allerdings glaube ich es wirklich erst, wenn ich es sehe", so Wolk.

Er halte es nicht für unwahrscheinlich, dass sich ein Halter auf diese Weise des Tieres entledigt haben könnte, weil es vielleicht zu groß oder zu teuer in der Haltung geworden ist. "Anhand der Beschreibung gehe ich von einer Größe zwischen zwei und 2,50 Meter und einem Gewicht von etwa 80 bis 85 Kilogramm aus", schätzt der Fachmann. Ein Brillenkaiman sei seiner Ansicht nach am wahrscheinlichsten, da am leichtesten und preiswertesten in Deutschland zu bekommen.

"Mir ist nur wichtig, dass klar wird, dass es sich einfach nur um ein Tier handelt und nicht um ein Ungeheuer, auf das man jetzt Jagd macht. Sollte wirklich ein Krokodil im See sein, ist es unwahrscheinlich, dass es bei dem vorhandenen reichhaltigen Nahrungsangebot einen Menschen angreift", so Wolk.

Einschränkungen in der Nutzung des Sees halte er nicht für notwendig, denn baden ist in dem Gewässer eigentlich sowieso nicht erlaubt. Er hoffe, dass die Angler und Wassersportler aufmerksam bleiben und eine Sichtung mit der Kamera dokumentieren. "Wichtig wäre erstmal der Beweis, dass wirklich ein Krokodil da ist", so Lutz-Peter Wolk. Um diesen vielleicht zu erbringen sind neun Kameraden der Großkayner Feuerwehr am Mittwochabend wieder auf Reptiliensuche gegangen.