Saalekreis: Ehrung für getötete Zwangsarbeiter

19.08.2012 20:39 Uhr | Aktualisiert 19.08.2012 21:51 Uhr
Am Ort des ehemaligen Lagers steht bisher nur ein Gedenkstein. (FOTO: MZ) 
Von Tilo Krippendorf
Vor 70 Jahren wurde ein Arbeitslager in Spergau eröffnet. Gedenktafeln sollen die Erinnerung wach halten.
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Spergau/MZ. 

Vor 70 Jahren, am 24. August 1942, wurde in Spergau ein so genanntes "Arbeitserziehungslager" eingerichtet. Es diente dazu, Zwangsarbeiter der Leuna-Werke mit "schlechter Arbeitsdisziplin" umzuerziehen. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) Merseburg machte nach einem Beschluss aus einem Gemeinschaftslager für Arbeitskräfte der Leuna-Werke ein Arbeitserziehungslager. Im Laufe von zwei Jahren starben in dem Lager 199 Menschen, 18 davon durch Hinrichtungen.

Um das Gedenken an die grausamen Taten in Spergau wach zu halten, werden am kommenden Freitag Informations- und Gedenktafeln am Gedenkstein in der Spergauer Straße der Opfer des Faschismus enthüllt. Desweiteren werden an diesem Tag Vorträge und thematische Stadtführungen durch die Stadt Leuna angeboten. Die Veranstaltung wurde vom Heimat- und Geschichtsverein Zöschen, der Geschichtswerkstatt Merseburg-Saalekreis und der niederländischen Stiftung Beverwijk initiiert. Auch einer der letzten noch lebenden Zeitzeugen, der 93-jährige Niederländer Arie Kooiman, wird an diesem Tag zugegen sein und gemeinsam mit einem Kind die massiven Edelstahltafeln enthüllen.

Die Haft im Lager Spergau sollte maximal 56 Tage dauern. Die ersten Arbeiten nach der Eröffnung bestanden aus der Errichtung eines Stacheldrahtzaunes durch die Gefangenen. Die Zwangsarbeiter wurden in drei verschiedene Gruppen mit verschieden schweren Arbeiten und verschiedener Verpflegung eingeteilt. Wer nach Ansicht des Wachpersonals, das aus der örtlichen Kriminalpolizeiabteilung rekrutiert wurde, nicht umerzogen werden konnte, wurde in das KZ Buchenwald überstellt.

"In DDR-Zeiten war die SS-Baracke des Lagers noch ein Konsum", weiß Ralf Schaade, der Stadtarchivar Leunas, zu berichten. Er wird auch die Stadtrundgänge leiten sowie einen Vortrag unter dem Titel "Die Registraturbildner waren die Täter" halten.

Nach schweren Bombardierungen der Leuna-Werke im Jahr 1944 mussten die Gefangenen nach Schkopau und später nach Zöschen "umziehen". Von dort gingen noch kurz vor Kriegsende Gefangenentransporte in das Konzentrationslager Buchenwald.