Saalekreis: Eieruhr misst Predigtdauer

27.07.2012 20:03 Uhr | Aktualisiert 27.07.2012 20:18 Uhr
Birgit Bromberger (l.) und Inge Mähnert zeigen eines der historischen Bücher, die Teil der Ausstellung sind. (FOTO: JUNGHANS) 
Von martin walter
Eine Schreibmaschine und ein Tonbandgerät sind eigentlich keine Gegenstände, die man in einer Kirche erwartet. Trotzdem sind sie in der Franklebener Kirche Sankt Martin zu sehen - in einer Ausstellung, die Geschichte des Gebäudes näher bringen soll.
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frankleben/MZ. 

Eine Schreibmaschine und ein Tonbandgerät sind eigentlich keine Gegenstände, die man in einer Kirche erwartet. Trotzdem sind sie in der Franklebener Kirche Sankt Martin zu sehen. "Vor ein paar Jahrzehnten haben wir hier solche Dinge noch ständig benutzt. Deshalb gehören sie zur Geschichte der Kirche", erklärt die Archivbeauftragte Inge Mähnert. Sie und die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Birgit Bromberger, haben Gegenstände, Bilder und Schriften von und über das Gotteshaus zusammengetragen. Sie sind dort nun in einer Ausstellung zu sehen, die am Sonntag um 9 Uhr eröffnet wird. 10 Uhr findet ein Gottesdienst dazu statt.

"Die meisten Exponate stammen aus der Kirche selbst. Wir haben alles aufgenommen, was wir fanden", sagt Bromberger. Doch wie entstand die Idee zur Ausstellung? "Die Franklebener lieben ihre Kirche, nennen sie auch den ‘Dom an der Geisel'." Die Schau soll ihnen nun die Geschichte des Gebäudes näher bringen. Bestaunt werden können alte Urkunden, Briefe, Liederbücher und Gebetstexte. Auf einem dicken Wälzer prangt etwa in römischen Zahlen "MDCL", was bedeutet, dass dieses Buch 1650 verfasst wurde, also bis in die Zeit der Erbauung zurückreicht. "Es ist oft nicht leicht, die alten Schriften zu entziffern, aber bei den meisten ist es uns gelungen", sagt Mähnert.

Auf einer Schautafel wird außerdem das Leben und Wirken des Kirchenheiligen, des Schutzpatrons Martin von Tours, und die Geschichte des Martinstages dargestellt. Auch alle Pfarrer der Gemeinde werden aufgeführt. 26 Männer hatten dieses Amt seit 1546 inne. "Es ist erstaunlich, dass wir alle Namen zusammenbekommen haben", meint Bromberger.

Neben diesen schriftlichen Zeugnissen werden Stücke gezeigt, die etwas über die Kirche und ihre Geschichte verraten. Das reicht von Spendengefäßen und Klingelbeuteln über Konfirmandenkreuze bis zur Eieruhr, mit der "die Zeit der Predigten gemessen wurde", wie Mähnert erklärt. Und noch etwas wird das Interesse der Besucher auf sich ziehen - der ehemalige Turmknopf. Er wurde 2010 bei der Turmsanierung durch einen neuen ersetzt. In dem alten fand man Geld, Bilder und Dokumente, die nun ausgestellt werden. "Ich war aufgeregt, als die Hülse geöffnet wurde", erinnert sich Bromberger. "Der Turmknopf wurde damals als Zeitzeuge befüllt. Der Inhalt ist gut erhalten". Auch im neuen Turmknopf landeten Geld, eine Beschreibung der Sanierung und ein Brief an die Nachfahren.

Die Schau ist von Montag bis Freitag von 7 bis 12 Uhr geöffnet.