Saalekreis: Ein Volk auf Wanderschaft

29.04.2012 20:57 Uhr | Aktualisiert 29.04.2012 22:34 Uhr
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Bienen

Lothar Heilmann hat Imkerei-Erfahrung. Den eingefangenen Schwarm darf er behalten. (ARCHIVFOTO: KRIPPENDORF)

Von Tilo Krippendorf
Ein Bienenschwarm sorgt in Frankleben für Aufregung. Lothar Heilmann eilt zu Hilfe und sammelt tausende Insekten ein. Er produziert seit 60 Jahren Honig.
Frankleben/MZ. 

Mit einem Lächeln im Gesicht macht sich Lothar Heilmann am Sonnabendnachmittag an die Arbeit. Er muss sich beeilen, verfällt dabei aber nicht in Hektik. Der Imker wurde von Nadine Fliege gerufen. Sie betreibt am Ufer des Geiseltalsees in Frankleben den Imbiss "Brutzelbude".

Zwanzig Meter vor den Stehtischen verdunkelte sich dort plötzlich der Himmel, tausende Bienen flogen herum und lösten bei der jungen Frau Panik aus. "Die Leute, die hier vorbeikamen, haben sich gar nicht zu uns getraut und sind ganz einfach weitergegangen", erzählt die Betreiberin. Auch sie selber hatte Angst, gestochen zu werden. Zum Glück hatte sie über eine Bekannte den Kontakt zu dem Imker aus Großkayna.

Als der schließlich am Seeufer ankam, hatten sich die Bienen beruhigt, in einer großen Traube sitzen sie auf einem dürren Ast. "Es kommt darauf an, wie lange sie schon schwärmen. Wenn sie schon hungrig sind, könnten sie aggressiv sein", weiß der Bienenexperte. Heilmann züchtet die geselligen Insekten schon seit 60 Jahren. In dieser Saison betreut er 20 Völker.

Mit etwas Glück könnten es nun 21 werden, denn: "Unter Imkern gilt der Grundsatz: Wer ein Volk findet, darf es behalten", sagt Heilmann strahlend. "Jetzt muss ich schnell handeln, wenn die Königin weiterfliegt, ist es zu spät", so Heilmann. Mit einem Gartenschlauch besprüht er die umherschwirrenden Bienen. Das soll Regen simulieren und beruhigt sie.

Dann muss es aber trotzdem schnell gehen. Er hält eine Holzkiste unter die Bienentraube und schüttelt an dem Ast. Zu Hunderten fallen sie hinein, während tausende andere aufgeregt umherschwirren.

Heilmann verschließt die Box, lediglich ein kleines Loch bleibt offen. Der Imker ist dank seiner Erfahrung erfolgreich: Er hat die Königin "erwischt". Nun macht sich Hektik unter den Bienen breit, deren Anzahl Heilmann auf 18 000 schätzt. Mit lautem Summen machen sie sich auf die Suche nach ihrer Herrscherin. Mithilfe von Duftstoffen weiß die Königin ihre Untertanen wieder um sich zu scharen - nach einigen Minuten hat sich bereits ein dicker Klumpen der kleinen Tiere an dem kleinen Eingang der Holzkiste gebildet. Der neue Herrscherpalast wird sofort in Beschlag genommen.

"Wichtig ist, dass die Kiste nicht zu warm wird", sagt der Imker und legt Handtücher auf das neue Heim und bespritzt sie mit Wasser. Das kühlt und beruhigt die geflügelten Pollensammler. Nach rund einer Stunde ist ein Großteil der Bienen in der Kiste, der Imker packt zusammen.

Er verschließt die Box, packt sie in den Kofferraum seines Autos und fährt langsam heimwärts. Dort bleibt das neue Volk ein paar Tage im kühlen Keller, bevor es einen endgültigen Stammplatz in Heilmanns Imkerhaus bekommt. Angst vor Stichen hat der 72-Jährige indes nicht. "Mein Körper hat sich schon daran gewöhnt", sagt der Imker und sammelt lässig eine Biene von seinem Hosenbein auf.