Denn am Dienstagnachmittag ist nach MZ-Informationen ein weiteres Treffen zwischen Vertretern des Bergamtes und des Bergbausanierers LMBV anberaumt worden - mit ungewissem Ausgang. Solange will sich das Wirtschaftsministerium nicht dazu äußern, ab wann konkret denn Baden und Wassersport in Deutschlands größtem künstlich angelegten See erlaubt sind. Auf eine erneute Nachfrage am Montag gab es keinerlei Reaktion.
Die LMBV und der Saalekreis versichern derweil, dass sie ihre Hausaufgaben in Sachen Teilfreigabe gemacht hätten. Man habe alle angeforderten Unterlagen zur Sanierung übergeben und ein Böschungs-Überwachungssystem aufgebaut, erklärte der Bergbausanierer.
"Die Allgemeinverfügung für den See ist fertig. Wenn aus Magdeburg grünes Licht kommt, kann sie sofort veröffentlicht werden und dann in Kraft treten", versicherte Saalekreis-Landrat Frank Bannert (CDU). "An uns scheitert die Freigabe nicht. Wir sitzen quasi auf dem Sprungturm", meinte er.
Auch Müchelns Bürgermeister Andreas Marggraf (parteilos) wartet ungeduldig auf das Beratungsergebnis am Dienstag. "Ich erwarte am Dienstag eine Nachricht vom Land", sagte er, wisse aber auch nicht, ob nun etwas Gutes oder Negatives verkündet werde. Natürlich verstehe er, dass die Leute ungeduldig auf die Teilfreigabe warteten. "Wir als Kommune warten ja auch. Nichts ist schlimmer, als nichts zu wissen."
Am Geiseltalsee herrscht Enttäuschung und Frust, wie eine Umfrage am Montag ergab. "Zu früh gejubelt", konnte sich Uwe Gibson, Segelschulinhaber aus Braunsbedra, noch gut an den 30. Mai erinnern, als das Land und die LMBV bei einer Vor-Ort-Veranstaltung die Teilfreigabe ankündigten. Er hatte damals mit anderen eine spontane Demonstration organisiert - und nach der positiven Nachricht die Banner wieder eingerollt. Auf niemanden der Verantwortlichen könne man sich verlassen, schimpfte er. Dabei sei das Interesse an seinen Bootsführerschein-Lehrgängen so groß wie nie. Zudem habe er mit den Prüfern bereits besprochen, dass ab September die praktischen Prüfungen auf dem Geiseltalsee stattfinden könnten und die Teilnehmer nicht mehr extra nach Thüringen fahren müssten - eine Teilfreigabe freilich vorausgesetzt.
Reinhard Hirsch, Vorsitzender des Interessen- und Fördervereins "Geiseltalsee", rang auf MZ-Nachfrage hörbar nach den richtigen Worten. Was geschehe, sei "furchtbar, unfassbar, einfach unbegreiflich." "Warum sind mehr als 350 Millionen Euro in die Sanierung des Tagebaus geflossen, und jetzt wird verhindert, dass hier neue Arbeitsplätze entstehen?", fragte er. Der Frust sei jedenfalls riesengroß.
"Diese Saison ist durch, definitiv", äußerte sich Thomas Patzer, der den künftigen Campingplatz mit Strandbereich in Mücheln / Stöbnitz betreiben möchte. Und bald werde es auch unrealistisch, für die nächste Saison noch einen Badestrand aufzubauen. Der gestellte Fördermittelantrag sei weiter in Bearbeitung. Selbst bei einer Zusage müsse dann erst eine Ausschreibung erfolgen, "und dann würden wir mit den Bauarbeiten in den Winter hineinkommen." Für ihn gebe es jetzt nur noch eine Chance, seine Träume am Geiseltalsee umzusetzen: "Wenn die Landesregierung schnell zu Potte kommt."
"Das lange Hinauszögern der Entscheidung ist für uns nicht mehr nachvollziehbar", brachte es Uwe Eldau als Geschäftsführer der Geiseltaler Entwicklungs- und Touristikgesellschaft (GET) aus Braunsbedra auf den Punkt. "Ich bin einfach nur noch frustriert über die offensichtliche Unfähigkeit der Landesregierung."
Auch die Mitglieder des See Clubs Geiseltal können es kaum erwarten, mit ihren Booten endlich auf dem Geiseltalsee zu trainieren, statt immer auf den benachbarten Großkaynaer See ausweichen zu müssen. Zwei neue Ausleger-Kanus tauften sie am Wochenende schon mal mit dem "richtigen" Wasser. Ihre Namen "Emma" und "Elise" beziehen sich übrigens auf zwei ehemalige Kohlegruben des Geiseltals.