Es sind Mythen, denen viele erliegen: Keuchhusten sei eine längst ausgerottete Krankheit und zudem eine, die man im Erwachsenenalter nicht mehr bekommen könne. Die Realität sieht anders aus: So verzeichnet der Saalekreis den dritthöchsten Anstieg aller Landkreise in Sachsen-Anhalt an Krankheitsfällen - und das vom Säugling bis zum über 70-Jährigen.
Allein bis zum 25. Juli dieses Jahres gab es 64 bestätigte Keuchhusten-Fälle. In ganz Sachsen-Anhalt wurden bis zu diesem Stichtag 443 Erkrankungen gezählt. Die jüngsten Meldungen sind gerade zwei Wochen her. "Einer der Fälle trat in Bad Dürrenberg auf, der andere in Peißen", sagt Cornelia Schiecke-Rosenhahn, die amtierende Amtsärztin des Saalekreises. In beiden Fällen seien die Patienten nicht geimpft gewesen.
Im Vergleich wird der drastische Anstieg der Fälle in diesem Jahr besonders deutlich: 2010 gab es im Saalekreis nur vier Erkrankungen, 2011 waren es 15. Auf Landesebene erkrankten vor zwei Jahren 216 Menschen, im Vorjahr 280. Die höchste Keuchhustenzahl trat 2006 auf - landesweit 859 Fälle. 2007 waren es immerhin noch 641 Erkrankungen. Diese exakten Zahlen habe man, weil es außer in Berlin in allen neuen Bundesländern eine Meldepflicht für Keuchhusten gebe, so Schiecke-Rosenhahn.
Die Erkrankung trete das ganze Jahr über auf und werde per Tröpfcheninfektion übertragen. Schützen könne man sich durch Maßnahmen wie das Husten und Niesen in die Armbeuge, statt in die Hand, sowie häufiges und gründliches Händewaschen. "Und indem man sich impfen lässt", sagt Schiecke-Rosenhahn - auch wenn es noch ein Restrisiko beim Impfen gebe. "Doch viele wissen gar nicht, dass man sich auch im Erwachsenenalter noch anstecken kann", sagt die Medizinerin. Die Grundimmunisierung und die Auffrischungen, die man als Kind erhalten habe, sei bei vielen später nicht mehr aufgefrischt worden.
Bei Kindern seien die Symptome meist besonders heftig und treten über mehrere Wochen auf. "Über ein bis zwei Wochen verspürt man grippeähnliche Symptome mit Fieber , weitere vier bis sechs Wochen kommt dann der anfallsartige und sehr heftige Husten tags wie nachts. Daran schließen sich sechs bis zehn Wochen an, in denen es langsam besser wird", beschreibt sie. Ein Krankheitsverlauf zwischen 16 bis 18 Wochen sei normal. Erwachsene können hingegen fast symptomfrei erkranken, dabei aber Überträger sein.
Prinzipiell könne man mit Antibiotika behandeln, komme aber in den meisten Fällen zu spät, weil die Erkrankung schon zu weit fortgeschritten sei. Es sei selten, aber im schlimmsten Fall könne Keuchhusten tödlich enden. Aufgrund der schweren Hustenfälle sei Erbrechen möglich. Wenn das nachts passiere, bestehe die Gefahr des Erstickens, informiert die Ärztin.
Erschwerend sei in diesem Jahr hinzugekommen, dass es einen recht hartnäckigen Erkältungserreger gegeben habe. Allerdings sei die Abgrenzung zur Erkältung dennoch möglich, denn Keuchhusten werde durch Bakterien, eine Erkältung aber durch Viren verursacht.