Schock in Bad Lauchstädt. Die Nachricht, dass René Schmidt, der Geschäftsführer der Historischen Kuranlagen und des Goethe-Theaters, zum Jahresende gekündigt hat, kommt für die meisten aus heiterem Himmel. Im Rathaus ist man genauso fassungslos wie im Freundeskreis des Goethe-Theaters. Denn der 48-Jährige schien sich mit vollem Elan in das Abenteuer der Umstrukturierung der traditionsreichen Theater- und Kur-Anlage gestürzt zu haben. Schon wenige Monate nach seinem Amtsantritt am 1. Januar 2010 war er sogar nach Bad Lauchstädt gezogen - gegen den Rat vieler Freunde, die meinten, er solle ein Standbein in Dresden behalten. Um so größer ist nun die Enttäuschung über seinen plötzlichen Abgang.
"Ich kann das noch gar nicht glauben", sagt Bad Lauchstädts stellvertretender Bürgermeister Gerald Mogk. Schmidt habe doch so viel Energie und Ideen in die Umstrukturierung der Kuranlagen gesteckt. "Und jetzt verlässt er das mittendrin? Das hätte ich nie gedacht." Schließlich seien viele Probleme noch offen.
Freundeskreis sieht Kultur in Gefahr
Auch den 2003 gegründeten Freundeskreis des Goethe-Theaters traf die Hiobsbotschaft aus heiterem Himmel. "Er hat uns darüber auf der letzten Vorstandssitzung informiert", sagt Vereinsvorsitzende Elisabeth Baumbach. Natürlich sei sie von der Nachricht überrascht gewesen, aber Schmidt habe sicherlich seine Gründe für die Kündigung. Man habe es ihm ja nicht leicht gemacht - vor allem das Land nicht. "Diese übermäßigen Sparzwänge sehen wir als große Gefahr, damit kann man die Kultur kaputtmachen", sagt Baumbach. In Bad Lauchstädt sei man auf dem besten Weg dahin. "Wir haben Schmidt nicht um seine Situation beneidet", so die Vereins-Chefin.
Dabei hatte Schmidt, der mit seiner Wahl im August 2009 nicht gerechnet hatte, seine Arbeit in dem architektonischen und kulturhistorischen Kleinod mit viel Euphorie begonnen. Er änderte das Repertoire, dessen Kernelement zwar Mozart blieb, das dort zeitlich aber nicht mehr aufhörte. So wurde Webers "Freischütz" ebenso aufgeführt wie Flotows romantische Oper "Martha". Sogar ein Ballett holte er auf die historischen Bretter. Zudem weitete Schmidt die Sommerspielzeit aus. Die Kuranlagen bekamen ein neues Besucherzentrum und ein Museum im Schiller-Haus.
Doch gleichzeitig musste Schmidt einen Sparkurs fahren, obwohl er noch Mitte 2010 gelobt hatte, dass man über mittelfristige Planungs- und Finanzsicherheit verfüge, weil sein Vorgänger Kuranlagen und Goethe-Theater frühzeitig unter die Obhut des Landes gebracht hatte. Öffentlich äußerte sich Schmidt immer positiv über das Land. Es habe vorbildlich für die Einrichtung gesorgt. Er betonte aber auch, dass sich das im nächsten Jahr ändern werde. Gemeint war, dass bei einem bisherigen Gesamtetat von etwa zwei Millionen Euro der Landeszuschuss von 1,4 Millionen auf 820 000 Euro sinkt. Doch selbst davon will das Land nur die Hälfte aufbringen. Die andere Hälfte sollen der Kreis und die Stadt Bad Lauchstädt zahlen. Das allerdings ist noch nicht in trockenen Tüchern. "Vor mir steht die Aufgabe, eine Forderung des Landes zu erfüllen, die uns im nächsten Jahr immerhin unseren halben Etat kostet, und trotzdem ein Programm zu machen, das der Tradition gerecht wird", sagte Schmidt noch im Juli in einem Interview. Um das abzufangen, habe man die Personalkosten radikal reduziert. So wird es ab 2013 nur noch acht festangestellte Mitarbeiter geben - von ursprünglich 26.
Finanzierung des Kursaals unklar
Schmidts Abgang fällt zudem mitten in die gerade begonnenen Rettungsarbeiten für den gesperrten Kursaal. Dort wird bis ins nächste Jahr hinein zumindest das Dach erneuert. Genutzt werden kann der Saal aber erst nach einer Komplettsanierung. Dafür hat das Land bisher keine Mittel genehmigt. All diese offenen Baustellen im Prozess der Neuausrichtung muss nun der Nachfolger übernehmen.
René Schmidt dagegen leitet ab 1. Januar 2013 die Geschicke der Kultur- und Touristikgesellschaft Pirna. Sie ist für das Stadtmuseum, die Wagner-Stätten Graupa, den Touristservice Pirna sowie das Kultur- und Eventmanagement der Stadt verantwortlich. Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos), der Schmidt unter den Bewerbern selbst ausgesucht hat, lobt den neuen Geschäftsführer schon mal vorab als "einen Mann mit großem Erfahrungsschatz und Kultursachverstand".