Saalekreis: Kuh(l)!

11.05.2012 13:55 Uhr | Aktualisiert 11.05.2012 21:21 Uhr
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Milchkuh «Verena»

Zur Feier des Tages gab es für Milchkuh «Verena» eine grüne Schärpe mit der Aufschrift "100.000 Kilo Milch". (FOTO: MZ)

Von regina retzlaff
"Verena" ist so etwas wie ein Held der Arbeit. Die Milchkuh hat in ihren 13 tierischen Lebensjahren 100.000 Kilo Milch gegeben. Damit hat es "Verena" quasi in die Champions League der besten Milchkühe geschafft.
Obhausen/MZ. 

Am Strick zu gehen, ist für "Verena" eher ungewöhnlich. Doch an diesem Donnerstag früh muss die 13-jährige Milchkuh ausnahmsweise aus dem Stall und auf eine Wiese geführt werden. Zur Feier des Tages verpassen ihr die Azubis Kirsten Hagel, Michael Schelle und Karolin Schliebe kurzerhand eine lange Leine und "überreden" sie, sich an den für sie ungewöhnlichen Ort zu bewegen.

Auf dem satten Grün wartet schon Ina Ritter, Zuchtinspektorin des Rinderzuchtverbandes Sachsen-Anhalt. "Verena" ist so etwas wie ein Held der Arbeit. Eine grüne Schärpe hat die Inspektorin dabei, die nun der Kuh um den Hals gelegt wird. "100 000 Kilo Milch" ist dort mit goldenen Lettern aufgedruckt. Diese gewaltige Menge Milch hat die Mutter von acht Kälbern in ihren 13 tierischen Lebensjahren produziert. Damit hat es "Verena" quasi in die Champions League der besten Milchkühe geschafft. "Das ist unsere erste Kuh, die diese magische Grenze erreicht hat", sagt Bernd Eiselt, Veterinäringenieur im Agrarunternehmen Barnstädt, dem die Milchviehanlage in Obhausen gehört. Dort hat das Prachtvieh seit dem 23. Februar 1999 sein Zuhause. In den drei Anlagen des Unternehmens stehen freilich insgesamt 1 100 Milchkühe, in Obhausen allein 590.

"Es ist schon eine besondere Leistung, die wir auch mit entsprechenden Insignien ehren", sagt Ina Ritter. Zur Schärpe gehören noch eine Plakette und eine Urkunde, die nun einen Ehrenplatz finden werden. "Es ist erst die sechste Kuh im Saalekreis, die nach der Wende diese Leistung erreicht hat", so Ritter. Das liege aber sicherlich auch daran, dass die Milchkühe im Land durchschnittlich nur vier bis fünf Jahre "aktiv" sind. Der Tierwirt nennt die Zeit zwischen den Geburten Laktationen, und eine Geburt ist notwendig für die Milchproduktion. In Sachsen-Anhalt liegt der Durchschnitt bei 2,2 Laktationen, "Verena" hatte bisher acht (fünf weibliche und drei männliche Kälber). Mit ihren 13 Lenzen ist sie nicht nur die beste sondern auch die älteste Kuh im Obhausener Stall.

"Bei uns wird zweimal am Tag gemolken. Pro Tag gibt eine Kuh durchschnittlich 32 Kilo Milch. Und rund 14 000 Kilo holt die Molkerei täglich bei uns ab", erzählt Azubi Karolin Schliebe. Schon früh ab 4.30 Uhr ist sie im Stall. Da beginnt die erste Schicht. 5 Uhr wird zum ersten Mal gemolken, dann noch einmal am Nachmittag.

Damit die Milch ordentlich fließt, müssen die Bedingungen für die Tiere stimmen. Artgerechte Haltung gehört ebenso dazu wie die Fütterung mit verschiedenen Silagen und Kraftfutter. "Hinzu kommt die gezielte Anpaarung durch den Rinderzuchtverband", erklärt Eiselt, der auch für die Besamung im Unternehmen zuständig ist.