Die Gärtnerei Liedtke liegt inmitten der Baustelle und ist quasi von den Kunden abgeschnitten. Das wirkt sich verheerend auf das Geschäft aus. Dass so viele Pflänzchen übrig bleiben (r.), gab es bisher noch nie. (FOTO:PETER WÖLK)
Im großen Gewächshaus blüht es in allen Pinktönen. Von zartrosa bis violett reicht die Palette, dazwischen setzen weiße und tiefrote Blüten tolle Akzente. Akkurat stehen die Töpfe mit den kräftigen Pflanzen in Reih und Glied. "Unsere Geranien", weist Cindy Liedtke stolz auf das Blütenmeer. "Alles, was Sie wollen. Die hängenden gibt es in neun Farbtönen und die stehenden in zehn verschiedenen Farben", zählt die 34-Jährige auf. Normalerweise gehen die Töpfe weg wie die berühmten warmen Semmeln. Doch in dieser Saison bleibt die junge Frau, die erst im vergangenen Jahr die Gärtnerei von ihren Eltern übernommen hat, auf einem großen Teil ihrer Ware sitzen.
"Es kommt einfach keiner mehr an uns ran", schildert sie verzweifelt. "Wir liegen hier mitten in der Baustelle." Das kleine Blumengeschäft und die Gärtnerei mit ihren Gewächshäusern, Folienzelten und Beeten dahinter befindet sich eigentlich in guter Lage in der Goethestadt - direkt an der L172, der Querfurter Straße gelegen, mit einem Kundenparkplatz vor dem Geschäft. Eine kleine Seitenstraße, der Birkenwinkel, zweigt ab, dort ist die Zufahrt für die Gärtnerei. In dem Abschnitt hat der AZV Merseburg im vergangenen Jahr begonnen, Rohre für den Anschluss an die Abwasserentsorgung zu verlegen. Da musste Familie Liedtke schon mit Einschränkungen leben.
Als diese Arbeiten fertig waren, gab es eine kurze Winterpause und dann ging es in der Querfurter Straße weiter. Erst war in Höhe der Gärtnerei "nur" für den Durchgangsverkehr gesperrt, seit vier Wochen ist ringsum Baustelle.
"Das ist für uns eine Katastrophe, gerade jetzt in der Pflanzzeit", ringt Cindy Liedtke um Fassung und zeigt auf eine Stelle neben dem Gewächshaus. Hunderte Salat-, Kohlrabi- und Blumenkohlpflanzen stehen da noch - normalerweise wären sie längst verkauft. Ebenso wie die zig Tomatenpflanzen der Sorten Tamina und Harzfeuer. Und was sie mit dem zarten jungen Kohlrabi machen soll, der kurz vor der Ernte steht, darüber denkt die Gärtnerin jetzt noch nicht länger nach. "Wir sind Direktvermarkter" erklärt die Gärtnerin das Geschäftskonzept. "Wir ziehen alle Pflanzen, auch die Blumen, selbst und verkaufen sie auch nur hier bei uns. Wir beliefern also niemanden." Eine Möglichkeit wäre sicher gewesen, die Pflanzen während der Bauzeit in der Stadt an einem Stand anzubieten. "Aber wer soll das machen?", fragt Cindy Liedkte ratlos. Zwar helfen die Eltern ab und an, doch Vater Andreas ist schwer krank und Mutter Martina leidet immer noch an den Folgen eines schweren Unfalls. Deshalb haben sie die Gärtnerei ja an die Tochter übergeben.
"Bis Ende Mai dauert die Sperrung noch", erklärt der Lauchstädter Bauamtsleiter Gerald Mogk auf Nachfrage der Mitteldeutschen Zeitung. Er habe Verständnis für die Sorgen der Gärtnerfamilie, aber sehe keinen Ausweg. Zu den zwei Wochen Verzögerungen im Bauablauf sei es gekommen, weil im Gärtnerwinkel, einer Nebenstraße, zusätzlich ein Regenwasserkanal verlegt worden sei. "Zwei Wochen müssen sie noch durchhalten", sagte er.
Die Gärtnerei (am Samstag von 8-12, am Sonntag von 9-11 Uhr geöffnet) und der Penny-Markt sind über die ausgeschilderte Umleitung über St. Ulrich zu erreichen.