Um die 30 Fahrzeuge werden inzwischen täglich auf dem Feldweg an der A 38 abgestellt. (FOTO: MARCO JUNGHANS)
Wieder mal gab es für Matthias Rudolf (39) aus Allstedt ein Knöllchen. Weil er falsch geparkt hat. Eigentlich weiß er ja, dass man hinter dem Verbotsschild nicht stehen darf, aber wenn er sich um 13 Uhr mit seinem Kollegen Steven Bieda (26) aus Querfurt an der Autobahnabfahrt Querfurt der A 38 trifft, um zur Mittagsschicht ins Porsche-Werk nach Leipzig zu fahren, ist der kleine Pendlerparkplatz neben der Auffahrt immer schon rappelvoll.
"Dann bleibt uns nur, das Auto entlang des Weges zu stellen - hinter das Verbotsschild eben. Und wenn die Polizei das sieht, gibt es hin und wieder einmal ein Knöllchen", erzählt Rudolf. Müssen die beiden zur Frühschicht, treffen sie sich gegen 4.45 Uhr und können ohne Sorge eines ihrer Autos vor dem Schild parken. Seit drei Jahren bilden die beiden Männer eine Fahrgemeinschaft. "Das hat sich wegen der hohen Benzinpreise einfach angeboten, denn immerhin sind es von meinem Wohnort bis zum Arbeitsort jeweils 100 Kilometer. Außerdem tun wir so ja auch etwas für die Umwelt", sagt Rudolf. Das denken inzwischen auch viele andere Berufs-Pendler, bilden Fahrgemeinschaften und so wächst die Zahl der parkenden Autos neben der Abfahrt Querfurt stetig an.
Das Verkehrsschild ist bereits einmal auf Nachfrage der Pendler um einige Meter nach hinten versetzt worden, um mehr Platz für die Parker zu schaffen. "Das hat uns damals auch gut geholfen. Aber jetzt reicht das eben auch nicht mehr. Wir meinen, dass es doch einfach nicht sein kann, uns für unsere Initiative zu bestrafen und uns abzukassieren. Kann man denn an dieser Stelle nicht die brach liegende Fläche herrichten für uns Parker? Wir entlasten doch die Straßen, tun so viel für die Umwelt. Wer hilft uns Pendlern bei der Lösung des Problems?"
"Ich kann die Pendler ja verstehen und finde gut, dass sie sich zu Fahrgemeinschaften zusammentun. Aber sie machen es mir auch nicht so leicht. Wenn ich mit meinen großen Landmaschinen über den Feldweg an den parkenden Autos vorbei muss, um auf mein angrenzendes Feld zu kommen, habe ich schon Probleme. Wenn ich da Autos beschädige, ist bestimmt das Geschrei groß. Noch ist das aber nicht passiert", sagt Landwirt Heiner Holter aus Esperstedt. Schlimm sei, dass sich nach Fertigstellung der A 38 nun offensichtlich niemand mehr für das Drumherum interessiere.
Der Leiter des Straßenverkehrsamtes des Saalekreises, Helmut Menzlow, sieht zunächst die Polizisten im Recht, die an die Autos Knöllchen verteilen. "Steht ein Schild, liegt Verkehrsrecht vor. Das ist einfach so", erklärt er. Dennoch finde auch er Fahrgemeinschaften absolut in Ordnung. Aber keine Kommune könne sich leisten, einen solchen Parkplatz zu bauen und zu bewirtschaften.
Das Gelände, auf dem sich der Pendlerparkplatz befindet, gehöre zur Verbandsgemeinde Weida-Land. "Ich würde es den Pendlern ja wünschen, aber eigentlich habe ich keine große Hoffnung, dass sich da was machen lässt."