Saalekreis: Pionier des Papierschöpfens

13.06.2012 19:51 Uhr | Aktualisiert 13.06.2012 20:08 Uhr
Drucken per Mail
Papierstampfmühle

Die Papierstampfmühle. (FOTO: NOWAK)

Von klaus nowak
Nicht nur in seiner Geburtsstadt Querfurt wird der findige Pfarrer Jacob Christian Schäffer geehrt, sondern auch in Regensburg und Tübingen.
querfurt/Regensburg/MZ. 

Auf Q wie Querfurt folgt R wie Regensburg - nicht nur im Alphabet, sondern auch mit Blick auf die Ausstellungen zum Naturforscher und Erfinder Jacob Christian Schäffer, der 1718 in der Quernestadt zur Welt kam. Wurde dort am 16. Mai in der Saalesparkasse eine erste Vitrine zur Erinnerung an den sehr vielseitigen und produktiven Pfarrer öffentlich präsentiert, ist jetzt eine weitere Ausstellung über ihn in der Donaustadt Regensburg zu sehen, in der Schäffer bis zu seinem Tod 1790 wirkte.

Ihr gelungener Titel: "Schöpfungen aus Papier - Hommage an Jacob Christian Schäffer". Darin steckt ein doppelter Hinweis: sowohl auf seine schöpferischen Ideen wie auf die besonderen Verdienste beim Schöpfen von Papier als eines der vielen Handwerke, die er beherrschte. Darin erreichte Schäffer so bedeutende Fortschritte, dass ihn spätere Papierexperten als den lobten, der bis heute zu den maßgebenden Pionieren dieser Technik zähle.

Die Ausstellung in der Minoritenkirche des Regensburger Historischen Museums (bis 1. Juli) zeigt an Schäffers Beispiel, wie das Schöpfen von Papier vor sich geht und welche Kunstwerke sich daraus machen lassen. Sie stellt aber auch Schäffer mit seinem Lebenslauf und den vielfältigen Begabungen vor. Mehrfach wird seine Heimatstadt Querfurt erwähnt.

Zahlreiche große Tafeln und Säulen in einem alten Kirchenschiff resümieren anhand von Texten, Bildern und Schriften, was Schäffer etwa als Pilzforscher, Insektenkundler, Museumsgründer, Buchautor und Techniker leistete - er entwickelte zum Beispiel auch die erste mechanische Waschmaschine und arbeitete mit einer hier ausgestellten Papierstampfmühle. Zu verdanken ist die sehr informative Zusammenstellung zu diesem Thema der Jugendbauhütte Regensburg und damit einer Initiative der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Nicht weniger als 23 junge Leute waren monatelang damit beschäftigt, sich Schäffers Leben und Werk zu nähern. Wie in Querfurt kam dabei manch Verschüttetes über Schäffer zum Vorschein, der bald nach seinem Tod in Vergessenheit geriet. "Ich danke euch dafür sehr", so Gruppenleiter Christoph Bücker bei der Eröffnung, "es ist großartig, was ihr da erarbeitet habt."

Der Bonner Wissenschaftsjournalist Eckart Roloff - er hatte am 1. Februar 2012 in der Burg Querfurt eine Lesung zu seinem Buch "Göttliche Geistesblitze" über erfinderische Geistliche und zu Schäffer gehalten - schloss sich in seiner Rede dem an; er erwähnte auch die Querfurter Aktivitäten. Für das soeben erschienene Heimat-Jahrbuch 2012 des Saalekreises hat Roloff ein Kapitel über Schäffer, den "vergessenen Pionier aus Querfurt", beigesteuert.

Übrigens: Nach Q und R folgt im Alphabet bald das T, T wie Tübingen. Auch diese Stadt in Baden-Württemberg hat etwas zu Schäffer im Angebot: Im Botanischen Garten Tübingen zeigt die Ausstellung "Papier und Pflanze" noch bis Februar 2013 anschaulich, mit welchen Pflanzenfasern der findige Pfarrer aus Querfurt experimentierte und welchen Beitrag er auf dem schwierigen Weg bis zur heutigen Papierqualität leistete. "Vom Alltagsprodukt Papier bis zum Kunstwerk - nichts geht ohne Papier", so die Ausstellungsmacherin Barbara Proksch. Das sieht man jeden Tag und seit Jahrhunderten auch bei einem Objekt mit Z: mit Z wie Zeitung.