Saalekreis: Rettung in letzter Minute

15.05.2012 18:01 Uhr | Aktualisiert 15.05.2012 21:08 Uhr
Drucken per Mail
Eddy

Eddy, hier auf dem Arm von Ilona Zocher, gehört zu den 20 Katzen, die derzeit im SOS-Tierhof leben. (FOTO: PETER WÖLK)

Von Elke Jäger
Buchstäblich in letzter Minute gelang es Tierschützern vom Verein "SOS Tierhof", eine Katzenmutter mit ihren vier frisch geborenen Jungen vor dem Hunger- und Kältetod zu bewahren.
bad Dürrenberg/MZ. 

War das eine Aufregung! Ilona Zocher muss immer noch tief durchatmen, wenn sie von der Rettungsaktion erzählt. Buchstäblich in letzter Minute gelang es Tierschützern vom Verein "SOS Tierhof", eine Katzenmutter mit ihren vier frisch geborenen Jungen vor dem Hunger- und Kältetod zu bewahren. Aber der Reihe nach.

Bei einem Spaziergang mit ihrem Hund wunderten sich Emily Mann und Johannes Richter (beide 12), dass der Vierbeiner so aufgeregt war. Immer wieder lief er zu der Abdeckplatte des Kanals in der Keuschberger Straße. Als die Kinder schließlich nachsahen, entdeckten sie eine Katzenfamilie: Eine Mutter und vier winzige Junge, die sich ängstlich unter den Deckel duckten. "Die brauchen Hilfe", stand für Emily und Johannes fest, und so informierten sie den Verein SOS Tierhof. Ilona Zocher vom Vorstand kam selbst mit vor Ort. "Wir mussten die Miezen dort rausholen, das hätten sie nicht überlebt", sagte sie.

Schnell wurde eine Falle organisiert und eine Futterspur bis zum Versteck gelegt. "Die Katze war so ausgehungert, dass sie sofort rausgekommen ist", beschreibt Frau Zocher. Vorsichtig und mit allerlei Verrenkungen holten die Vereinsmitglieder auch die Kleinen aus dem Erdloch und brachten die ganze Familie in den Tierhof. Hier sind sie jetzt in der Quarantänestation untergebracht. "Wir haben sie tierärztlich untersuchen lassen, sie bekommen jetzt die nötigen Behandlungen." Für die Vier - zwei schwarze, ein schwarz-weißes und ein silber-tabby Kätzchen - wird demnächst ein neues Zuhause gesucht.

Immer wieder muss der Verein auf Notfälle reagieren. Zwar sind die meisten nicht so dramatisch wie die Rettung der Katzenfamilie, doch Kraft, Nerven und Zeit kosten sie immer. Da ist zum Beispiel Eddy, ein aufgeweckter schwarz-weißer Kater mit großen gelben Augen. "Bewohner eines Hauses in der Abbestraße in Merseburg haben uns informiert, dass in einer Wohnung unentwegt eine Katze schreit", erzählt Frau Zocher. Erst nach nervenaufreibenden Verhandlungen und Anzeige bei der Polizei sei es gelungen, die Wohnung aufbrechen zu lassen - der kleine Kater war dort inmitten von Müllbergen alleingelassen worden. Eddy, etwa ein halbes Jahr alt, soll noch kastriert werden und sucht ein neues Zuhause.

Ebenso wie Buddy, Bea, Biene und Bianca. Ihre Besitzerin war mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus gekommen. Urplötzlich war keiner mehr da, der sich um die Tiere kümmerte. Wieder gab es langwierige Verhandlungen mit Ordnungsamt, Veterinäramt und Vermieter, um die Miezen aus der Wohnung zu holen. "Wir konnten sie doch nicht einfach unversorgt dort lassen", appelliert Ilona Zocher an das Verständnis der Behörden. Inzwischen steht fest, dass sich die Frau nicht mehr um ihre Samtpfoten kümmern kann, sie stehen zur Vermittlung.

Solange sollen sie sich im SOS-Tierhof wohl fühlen. Gegenwärtig entsteht ein neues Freigehege, die Fläche direkt neben dem Tierhof stellte die Stadt zur Verfügung. Friedrich Lauterbach (81) hat die Sache in die Hand genommen, kommt täglich einige Stunden mit Ehefrau Christine her, sägt und schraubt. Die beiden haben selbst vier ausgesetzte Katzen bei sich aufgenommen.