In Thalheim (Erzgebirgskreis) befindet sich das Schullandheim des Saalekreises. (Foto: privat)
Das Schullandheim des Saalekreises im sächsischen Thalheim (Erzgebirgskreis) ist ein Geheimtipp. Inmitten der Natur können Kinder und Jugendliche hier günstig die Seele baumeln lassen - noch. Ein Prüfer hat jetzt erhebliche Brandschutzmängel vor allem am Hauptgebäude festgestellt. Das Sicherheitsrisiko ist offenbar so groß, dass Landrat Frank Bannert (CDU) am Mittwoch handelte. Ab sofort darf in dem Haus niemand mehr übernachten. "Die Gäste, die jetzt noch in dem Gebäude wohnen, können noch bleiben. Ansonsten werden nur noch die Bungalows belegt." Den Schritt hatte er mit den Fraktions-Chefs des Kreistags abgestimmt.
"Nur weil 20 Jahre nichts passiert ist, dürfen wir die Augen nicht verschließen. Es kann dort jederzeit zu einem Unglück kommen", so Bannert. Der Gutachter bemängelt vor allem die Ausstattung des Haupthauses. Dort fehlen Feuerschutztüren sowie ein zweiter Rettungsweg. Auch in den Holzhütten für je sechs Gäste müsste investiert werden. Die erforderliche Summe bezifferte Bannert mit 1,2 bis 1,5 Millionen Euro. Geld, das der Saalekreis nicht hat.
So gehen die Planer für 2013 mit Mindereinnahmen von mindestens zehn Millionen Euro für den Kreishaushalt aus. "Unter diesem Gesichtspunkt können wir uns den Erhalt des Landheims nicht mehr leisten", findet Bannert. Daher wolle er im September eine Vorlage in den Kreistag einbringen, die die Schließung zum 30. September und den Verkauf des einstigen Ferienlagers vorsieht.
Das Kinder- und Erholungsheim "Tabakstanne", wie es früher hieß, gehörte schon zu DDR-Zeiten zum Eigentum des Kreises. Nach der Wende blieb es im Besitz der Kommune. Der Saalekreis betreibt es fast ganzjährig. Die 135 Plätze sind nach Angaben der Kämmerei zu 80 Prozent belegt. Dennoch müsse der Kreis jährlich 200 000 Euro zuschießen, um den Betrieb abzusichern. 40 Prozent der Feriengäste kommen aus dem Saalekreis, der überwiegende Teil aus anderen Regionen. "Das Heim ist eine freiwillige Aufgabe. Wir wollten auch Eltern mit einem kleinen Geldbeutel ermöglichen, dass sie ihren Kindern einige unbeschwerte Tage bezahlen können", sagte Bannert.
Deshalb habe man auch 20 Jahre an dem Objekt festgehalten. Unklar ist unterdessen, was aus den Mitarbeitern vor Ort wird. Zum Personal des Schullandheims gehören der Leiter, zwei Köche, eine Wirtschaftsleiterin sowie ein Hausmeister. Sie stehen auf der Lohnliste des Kreises. "Wie verfahren wird, hängt von der Entscheidung des Kreistages ab", meinte Bannert zur MZ. Jetzt müsse man zunächst den Belegungsplan bis September prüfen, um zu klären, ob Buchungen eventuell storniert werden müssen.