Saalekreis: Seefreigabe ohne Freigabe?

17.05.2012 19:07 Uhr | Aktualisiert 17.05.2012 19:53 Uhr
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Geiseltalsee

Still ruht der See: Ob hier bald gebadet, gesurft oder gesegelt werden kann, ist ungewiss. (FOTO: NADINE STENZEL)

Von Dirk Skrzypczak
Am 30. Mai werden Untersuchungsergebnisse zur Sicherheit am Geiseltalsee präsentiert. Tourismus Investoren fürchten, dass Badegäste, Surfer und Segler den Geiseltalsee auch weiterhin nicht nutzen dürfen.
Mücheln/MZ. 

Am 30. Mai werden Untersuchungsergebnisse zur Sicherheit am Geiseltalsee präsentiert. Dann wollen das Land, der Bergbausanierer LMBV und das Landesbergamt eine Aussage treffen, ob und wann das Gewässer für eine teilweise touristische Nutzung freigegeben werden kann. Es ist aber gut möglich, dass vor allem bei Investoren die Ernüchterung groß sein könnte. Selbst bei einem begrenzten Nutzungsrecht bleiben wohl viele potenzielle Anbieter außen vor.

"Es werden mit der Aussicht auf eine teilweise Freigabe des Sees Erwartungen in der Bevölkerung geweckt, die nicht erfüllt werden können", dämpft Jost Hübner die großen Hoffnungen. So werde wohl lediglich gestattet, dass ein kleines Fahrgastschiff zwischen den Marinas in Mücheln und Braunsbedra pendeln kann. Auch dürften beide Städte ihre Häfen und touristische Einrichtungen wie den Badestrand bei Stöbnitz wohl weiterbauen. "Das heißt aber nicht, dass Badelustige, Surfer oder private Boote den See nutzen können", erklärt der promovierte Geologe. Hübner ist Mitglied in der lokalen Expertenrunde und war unter anderem Leiter für Bodenmechanik im Braunkohletagebau des Geiseltals sowie Sachverständiger für Geotechnik. Mit einer vollständigen Freigabe sei aus seiner Sicht nicht vor 2014 oder 2015 zu rechnen.

Weitere Verzögerungen wollen Geschäftsleute am See aber nicht mehr hinnehmen. "Wir können den Touristen nicht erklären, warum es hier nicht vorwärtsgeht. Seit vier Jahren ist die Kommunikationspolitik des Landes katastrophal. Im Land der Frühaufsteher verpennen wir unsere letzte Chance", schimpft Thomas Weiß, Chef der Marina Mücheln GmbH. Seit Jahren würden tausende Badegäste den See bereits nutzen. "Die Menschen hält keiner mehr auf."

Weiß ist Sachse und sieht mit Sorge, wie das Leipziger Neuseenland, auch ein ehemaliges Tagebaugebiet, das Geiseltal überholt und längst abgehängt hat. "Ich weiß von Interessenten, die in Mücheln Grundstücke zurückgegeben haben und jetzt ihr Geld im Leipziger Raum investieren", sagt Weiß. Auf dem Zwenkauer See fahre zudem seit Jahren ein Passagierschiff. "Die haben die Erlaubnis erhalten, da war der See noch nicht vollständig geflutet. Es kann nicht sein, dass in zwei Bundesländern mit zweierlei Maß gemessen wird."

Weiß will daher am Sonntag, 10. Juni, eine öffentliche Podiumsdiskussion zur touristischen Zukunft des Sees organisieren. Eingeladen hat er Sachsen-Anhalts Wirtschaftsministerin Birgitta Wolff (CDU) sowie Führungsspitzen der LMBV, des Landesbergamtes aber auch Landtagsabgeordnete, Vertreter des Saalekreises und aus der lokalen Politik. "Wir wollen vom Land endlich verlässliche Antworten. Die Zeit des Hinhaltens ist vorbei", so Weiß.