So ein Kaiman ist schon ein schlaues Tierchen. Zumindest das vermeintliche Exemplar, das seit einigen Tagen im Großkaynaer See ein neues Zuhause gefunden haben soll. Erst zieht es die Aufmerksamkeit aller auf sich, indem es eine Stadt in Aufregung versetzt, und dann lässt es sich einfach nicht mehr blicken.
Regatta ist abgesagt
Tagelang herrschte wegen der Entdeckung eines Anglers im Braunsbedraer Rathaus und bei der Feuerwehr Alarmbereitschaft. Der See Club Geiseltal hatte aus Sicherheitsgründen sogar die für dieses Wochenende geplante Regatta abgesagt. Gestern reichte es dann Großkaynas Wehrleiter Dirk Niedermeyer mit den Spekulationen. Er erklärte die Suche für beendet. "Weitere Maßnahmen haben keinen Sinn", sagte er. Erst wenn es wieder konkrete Anhaltspunkte für die Existenz des Reptils gebe, werde eine neue Suchaktion gestartet.
Täglich waren seine Einsatzkräfte auf dem Wasser unterwegs, in Spitzenzeiten mit drei Booten und bis zu 20 Mann Besatzung. Selbst nachts kreisten sie auf dem See, suchten die Ufer mit Scheinwerfern ab. Doch auch beim vorerst letzten Einsatz am Mittwochabend hieß es am Ende: Still ruht der See.
Während das Krokodil wohl im wahrsten Sinne des Wortes abgetaucht ist, trat eine neue Debatte zum Vorschein - die um den Namen des Tieres. In den vergangenen Tagen haben sich offensichtlich gleich mehrere Taufpaten gefunden - wenn man so ein Phantom-Krokodil schon nicht sieht, dann will man ihm eben wenigstens einen Namen geben.
"Michel" oder doch lieber "Kay"?
Als "Kay" hatte das Tier zuletzt sogar bundesweit in den Medien Schlagzeilen gemacht. Und dabei hatte Wehrleiter Niedermeyer doch bislang von "Michel" geredet. Der Name stamme von der ehemaligen Brikettfabrik Michel-Vesta im Dorf, hieß es - er wäre also geeignet.
"Kay würde doch viel besser passen", findet hingegen Braunsbedras Bürgermeister Steffen Schmitz (CDU). Er könne sich nicht erklären, wie es überhaupt zu den zwei Namen gekommen ist. "Fest steht, beim Einwohnermeldeamt ist es so oder so nicht gemeldet", ergänzt er scherzhaft.
In einem Punkt sind sich Niedermeyer und Schmitz dann aber wirklich einig: Nach der Aufregung soll nun schnell wieder Ruhe einkehren. "Wir wollen keine Publicity-Debatte", erklärt Schmitz. Dabei ist der Name gar nicht so unwichtig, sollte auch "Kay" / "Michel" einmal als Sommerloch-Thema in die Geschichte eingehen. Klangvoll sollte er sein, wie einst 1994 beim Artgenossen "Sammy" oder dem berüchtigten Killerwels "Kuno".