Saalekreis: Was tun gegen Spargelwälder?

15.05.2012 19:51 Uhr | Aktualisiert 15.05.2012 21:13 Uhr
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Windenergieanlgen

Windenergieanlgen wachsen noch immer in die Höhe. (FOTO: ARCHIV)

Von regina retzlaff
In das von der Regionalen Planungsgemeinschaft ausgewiesene Vorranggebiet für Windenergie bei Barnstädt könnten 23 Räder gebaut werden.
Barnstädt/Steigra/MZ. 

"Wir haben uns im Gemeinderat seit vielen Jahren gegen den Bau von Windparks in unserer Gemarkung ausgesprochen. Als wir schließlich durch Zufall erfuhren, dass die Regionale Planungsgemeinschaft (RPG) ein Vorranggebiet für Windenergieanlagen in unserer Gemarkung ausgewiesen hat, konnten wir nur noch mit einem Bebauungsplan zumindest ein wenig Einfluss auf die künftige Gestaltung eines Windparks nehmen", sagt Barnstädts Bürgermeister Otto Weber (parteilos) und sein Steigraer Amtskollege Walter Wrede (parteilos) nickt zustimmend. Der Entwurf der B-Pläne lag vom 10. April bis 4. Mai diesen Jahres öffentlich aus und jedermann konnte dazu Hinweise, Einwände und Stellungnahmen abgeben.

Auch bei der MZ kam ein entsprechender Einwurf an. Cornelia Fischer aus Langeneichstädt, die allerdings, so hat die MZ-Recherche ergeben, in Langeneichstädt selber vier Windenergieanlagen betreibt, schrieb: "Mein Mann und ich befassen uns mit dem Thema 'Erneuerbare Energie' seit fast 20 Jahren. Im Regierungsprogramm der CDU von Sachsen-Anhalt ist festgehalten, dass Windenergie mit Augenmaß zu entwickeln sei. Was passiert aber auf der Querfurter Platte? Was den Parisern der Eiffelturm ist, ist uns Langeneichstädtern die alte Warte - nämlich das Wahrzeichen! Eine Windfarm in Obhausen mit über 60 Windkraftanlagen beherrscht das Landschaftsbild. Der denkmalgeschützte Warteturm büßt seine landschaftsprägende Wirkung ein und wird vollends degradiert, wenn 185 Meter hohe Windräder von Steigra bis nach Barnstädt einen weiteren 'Spargelwald' bilden - mit noch höheren Anlagen als bisher. Was soll den Bürgern noch zugemutet werden neben nächtlichem Fluglärm und Industrialisierung der Landwirtschaft ?"

Bernhard Kaminsky vom Langeneichstädter Warteverein sagt, dass man zwar nicht hocherfreut sei über die vielen Windmühlen in der Region, doch "wir werden als Verein nichts unternehmen, weil wir wissen, dass die Argumente nicht ausreichen. Nur zu sagen, dass die Räder nicht in die Landschaft passen, das wird wohl nicht ausreichen. Man wird sich arrangieren müssen. Das haben wir ja auch mit den Anlagen gemacht, die in unserer Flur stehen."

Maria Wrede ist die Bauamtsleiterin der Verbandsgemeinde Weida-Land, deren Mitgliedsgemeinden Barnstädt und Steigra sind. "In dem ausgewiesenen Gebiet, so sieht es der B-Planentwurf vor, dürfen maximal 23 Anlagen mit einer maximalen Höhe von 200 Metern und einem Rotordurchmesser von maximal 115 Metern gebaut werden", erklärt sie. Die Querfurter Platte und das Weida-Land seien leider sehr windträchtige Gebiete, so dass hier auch potenzielle Betreiber von Windenergieanlagen beste Bedingungen vorfinden. Und da die Planung der RPG höherrangig sei, könne man auf Gemeindeebene kaum eingreifen, gebe es auch kaum Möglichkeiten, den Bau von Windrädern zu verhindern.