Sportfördergesetz: Sportler auf den Barrikaden

17.07.2012 19:51 Uhr | Aktualisiert 17.07.2012 21:44 Uhr
Drucken per Mail
Sportanlagen

Bleiben auf Sportanlagen bald die Türen zu? (FOTO: PETER WÖLK)

Von Dirk Skrzypczak
Der Entwurf des Sportfördergesetzes stößt auf harsche Kritik. Die Verbands-Präsidentin sieht die Existenz der Vereine nicht nur im Saalekreis in Gefahr.
Merseburg/MZ. 

Über das neue Sportfördergesetz in Sachsen-Anhalt diskutierten Sport und Landespolitik zuletzt vor allem hinter verschlossenen Türen. Zum 1. Januar 2013 soll es in Kraft treten; vergangenen Freitag befasste sich der Landtag in einer ersten Lesung mit dem Entwurf. Damit scheint der Burgfrieden ein Ende zu haben.

Massive Kritik an der Vorlage kommt jetzt vom Kreissportbund (KSB) des Saalekreises. Dass Städte und Gemeinden ermächtigt werden sollen, Vereine an den Betriebskosten für Sportanlagen zu beteiligen, bezeichnet KSB-Präsidentin Angela Heimbach als Katastrophe: "Danach ist jeder Verein in seiner Existenz in Gefahr." Zwar könne jede Gemeinde über das ob und wie entscheiden. "Allerdings ist das Risiko hoch, dass Vereine überfordert werden", so Heimbach. Gerade Haushaltskonsolidierungen könnten dazu führen, Sportler als Einnahmequelle zu erschließen. Im Gespräch seien jährlich Summen zwischen 5- und 30 000 Euro.

Michael Peller teilt die Sorge. Der Vereinsvorsitzende des SV Geiseltal Mücheln weiß aus Erfahrung, wie sensibel manche Aktive auf finanzielle Mehrbelastungen reagieren. "Wir waren in der Vergangenheit bereits gezwungen, Beiträge zu erhöhen. Das hat uns Mitglieder gekostet", sagt Peller.

Sollte die Stadt Mücheln von den Bundesliga-Mannschaften beispielsweise verlangen, dass sie einen Teil der Betriebskosten für die Kegelbahn tragen, "wäre das wohl unser Ruin". Schließlich würden die Sportler bereits heute viel Zeit und Geld investieren, um ihrem Hobby überhaupt nachgehen zu können. Dazu gehöre auch die Absicherung des Spielbetriebs in der Bundesliga.

In Merseburg kann der städtische Sportamtsleiter Lutz Förster die Ängste aus der Sportlandschaft nachvollziehen. "Die Formulierung im neuen Sportfördergesetz ist unglücklich gewählt", meint er. Die in Sachsen-Anhalt noch gültige Verordnung zur Nutzung der kommunalen Sporteinrichtungen sieht bislang vor, dass alle öffentlichen Sportstätten grundsätzlich unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden müssen.

Dieser zentrale Passus wird durch das neue Gesetz aufgeweicht. "Wer den Sport in seiner jetzigen Form erhalten will, kann die Vereine bei den Sportstätten nicht zur Kasse bitten", ist Förster überzeugt. In Merseburg gebe es keine Überlegungen, an dieser Praxis etwas zu ändern.

"Wir schweben im luftleeren Raum. Uns fehlt die Planungssicherheit für das neue Jahr", kritisiert Präsidentin Heimbach. Der Landtagsabgeordnete Sebastian Striegel (Grüne) verteidigt derweil den Entwurf. Über das neue Sportfördergesetz herrsche im Landtag weitestgehend Einigkeit. "Ich habe den Eindruck, dass da etwas Gutes auf dem Weg ist."

Er hoffe, das Politik und Sport bei der Sportförderung einen gemeinsamen Nenner finden. "Unser Ziel ist ein Finanzierungsmodell, das keinen überfordert. Und natürlich müssen wir darauf achten, dass Regelungen sozialverträglich bleiben."

Doch gerade bei diesem Punkt meldet der Kreissportbund Zweifel an. So sei in einer früheren Fassung des Gesetzes davon die Rede gewesen, dass Kinder, Jugendliche und Behinderte auch weiterhin die Sportanlagen kostenfrei nutzen dürfen. "Jetzt ist dieser Fakt nicht mehr im Entwurf enthalten", erklärt Heimbach. Gemeinsam mit anderen Sportbünden wolle man deshalb Einfluss auf die Politik nehmen.

"Sportvereine sind in manchen Orten die letzten funktionierenden Sozialstationen. Das Land kann doch kein Interesse daran haben, diese Strukturen in Gefahr zu bringen", sagt Heimbach. Alleine im Saalekreis würden 3 000 Ehrenamtliche in 253 Vereinen aktiv sein. Sie erbringen nach Angaben des KSB jährlich Werte in Höhe von fast 20 Millionen Euro.

Lutz Förster fordert indes auch ein Umdenken in Vereinen. "Nur weil Sportanlagen bisher kostenlos sind, leben wir nicht im Schlaraffenland." Dabei könne jeder einen Beitrag zum Sparen leisten und beispielsweise helfen, Betriebskosten zu senken.