Die Weinbergs-Ordnung von 1588 des Kurfürsten Christian von Sachsen regelte alle Arbeiten im Weinberg. (FOTO: PETER WÖLK)
Was für ein Glas! Drei Liter Wein passen locker in das Gefäß, das im Eingang des Kunsthistorischen Museums Schloss Merseburg thront. Kosten sollte man von dem roten Rebensaft wohl eher nicht. Aber optisch ist das Riesenglas eine perfekte Einstimmung auf die neue Ausstellung "1 000 Jahre Weinbau im Merseburger Land" - zumal gleich dahinter der Blick auf die gemalte Elsterlandschaft mit den Röglitzer Weinbergen fällt.
Ein kleines Stück Pergament mit Siegel ist der Beweis für diese Weintradition. Darauf bestätigte am 17. Oktober 1012 König Heinrich II. der Peterskirche in der Merseburger Altenburg den Besitz eines Weinberges, der wohl einen Großteil des heutigen Altenburger Friedhofs einnahm. Streng genommen stimmt das mit den tausend Jahren also gar nicht.
Denn angebaut und getrunken wurde der Wein sicherlich schon vor diesem Datum. Doch die Quellenlage ist zwangsläufig dürftig. Um so spannender ist, was Ausstellungsmacherin Anke Becker und ihr Team an überraschenden Fakten, wertvollen Schriftstücken und historischen Gegenständen präsentieren.
Denn auf dem Gebiet des alten Merseburg gab es in der Geschichte zahlreiche Weinberge, kein Wunder - war der Rebensaft doch bis zum 16. Jahrhundert das Hauptgetränk für Jedermann und wurde vor allem an terrassierten Hängen und Weinbergsmauern angebaut. Die Nachfrage war groß, der Gewinn ebenfalls. Es gab Prozesse um Ausschanklizenzen, Verbote fremder Weine, Steuern auf den Weinverbrauch. All das zeigen in der Schau Urkunden an konkreten Beispielen.
Ein vergoldeter Abendmahlskelch von 1457 verdeutlicht ebenso wie eine Weinkanne von 1690 aus dem Kirchspiel Merseburg die liturgische Verwendung des Weines. Und auf historischen Karten des Stifts Merseburg mit seinen Ämtern Merseburg, Lauchstädt, Lützen und Schkeuditz wird offensichtlich, wie massiv der Weinanbau hier zu seiner besten Zeit Mitte des 16. Jahrhunderts war.
Die meisten Exponate der Schau aber sind jüngeren Datums. Ein ganzes Gläsersortiment aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wirkt erstaunlich modern. Holzpressen, Winzermesser und -scheren sind ebenso zu sehen wie ein Weinbergsböller mit einem Pistolenlauf. Was aussieht wie eine Minikanone, wurde auch so ähnlich genutzt: Die abgeschossenen Böller sollten Vögel verjagen.
Inzwischen wird im Saalekreis wieder auf rund 136 Hektar Wein angebaut. Darauf ein Prost!