Autofahrern wird auf der Autobahn 9 die nächste Geduldsprobe abverlangt. Im Kampf gegen den Betonkrebs beginnt am Donnerstag zwischen den Anschlussstellen Leipzig-West und Bad Dürrenberg die Erneuerung eines weiteren, rund sechs Kilometer langen Abschnitts der Autobahn in Fahrtrichtung München. Das teilt das Verkehrsministerium mit. Allerdings werde eine neue, superschnelle Technologie eingesetzt, die die Bauzeit fast halbieren soll. Trotzdem müssen Autofahrer nun zwei Baustellen hintereinander ertragen. Denn zwischen Bad Dürrenberg und dem Kreuz Rippachtal wird bereits gebaut.
Doppelbaustelle über 16 Kilometer
"Den Autofahrern wird dies wie eine zusammenhängende, fast 16 Kilometer lange Baustelle vorkommen", erklärt Christoph Krelle, der Bereichsleiter Autobahnbetrieb. Zwischen Rippachtal und Bad Dürrenberg wird der Verkehr jetzt schon über die Richtungsfahrbahn München geführt. Zwischen Bad Dürrenberg und Leipzig-West geht es dann auf jeweils zwei eingeschränkten Fahrstreifen über die Richtungsfahrbahn Berlin. Die vorbereitenden Arbeiten führen bereits seit Wochenbeginn zu Staus.
Doch was genau passiert auf der neuen Baustelle? Auf der gesperrten Fahrbahn soll die 17 Jahre alte Betondecke der beiden linken Überholspuren ersetzt werden. Sie ist durch Alkali-Kieselsäure-Reaktion stark geschädigt. "Der Beton wird zehn Zentimeter tief herausgefräst. Dann bringen wir eine zwölf Zentimeter dicke Fahrbahndecke aus Kopfasphalt auf", erklärt Krelle. Auf der rechten Spur und dem Standstreifen dagegen werde nur eine zwei Zentimeter starke Schicht aufgebracht. "Denn das ist die alte DDR-Autobahn, die 1989 saniert wurde und viel besser erhalten ist." Insgesamt werden rund 2,5 Millionen Euro investiert.
Gesonderte Zufahrt für Mischgut
Normalerweise dauere die Sanierung solch einer Strecke mindestens ein Vierteljahr. "Doch das wird eine Express-Baustelle. Wir wollen in sieben Wochen durch sein", so Krelle. Dazu werde eine neue Technologie angewendet. "Direkt nach dem Rausfräsen bringen wir die Decke auf - und zwar Binder und Deckschicht zugleich." Das Mischgut müsse hintereinander weg verbaut werden. "Da darf es keine Pause geben", so Krelle. Man werde drei Mischwerke, unter anderem in Weißenfels und Delitzsch, nutzen und für die Misch-Fahrzeuge eine gesonderte Zufahrt über ein Feld anlegen, damit sie nicht im Autobahn-Stau steckenbleiben. "Die Technologie erfordert riesige Vorbereitungen. Alles muss laufen wie am Schnürchen." Ende September soll alles fertig sein. Die Gegenrichtung komme erst 2013 dran. Die Bauarbeiten zwischen Bad Dürrenberg und dem Kreuz Rippachtal dauern bis Dezember.