Der Umbau der Bahntrasse ist nicht nur für Ingenieure und Arbeiter eine Herausforderung, auch Reisende haben mit Schwierigkeiten zu kämpfen. (FOTO: WÖLK)
Es wird gebohrt, gebaggert und geschweißt. Der Umbau des Eisenbahnknotens Merseburg geht beständig voran. Die Halbzeit ist fast geschafft. Eine Hälfte des fast fünf Kilometer langen Bauabschnitts auf der Trasse ist fast fertig, während auf der anderen Seite die Züge entlang rollen.
Am offensichtlichsten werden die baulichen Veränderungen der Strecke auf dem Gelände des Hauptbahnhofes. Die alte unterirdische Zuführung zu den Bahnsteigen ist längst fort, im Moment entsteht nur wenige Meter daneben der Nachfolger. Dieser Personentunnel soll im Zuge der Bauarbeiten verlängert werden und künftig nicht mehr nur als Bahnsteigzugang fungieren, sondern den Bahnhofsvorplatz mit der Rosa-Luxemburg-Straße verbinden.
Die Bodenplatte des Tunnels ist bereits fertig, die Seitenwände wachsen in der Baugrube gerade in die Höhe. Beides allerdings nur auf der östlichen Seite, wo die alten Gleise fort sind. "Bis Ende Juli soll der Rohbau des Personentunnels fertig sein, danach können wir die Schienen darüber verlegen", so Uwe Sieber, der leitende Projektingenieur der Bahntochter DB Projektbau. Diese Verbindung ist letztlich die Voraussetzung, dass die Arbeiten im September auf der westlichen Seite beginnen können - der zweiten Hälfte des 62-Millionen Projektes.
Auch die östlichen Teile der neuen Brücken sind bald komplett. Jene in der Kötzschener Straße ist längst fertig, in der Teichstraße wird gerade der Überbau montiert, an den Gotthardteichen setzen Arbeiter gerade die bis zu zwölf Meter tiefen Stahlbetonfundamente für das neue Bauwerk. Die alte Brücke, die über die Hallesche Straße führt, wird aber nicht erneuert, da sie noch in Schuss ist und unter Denkmalschutz steht.
Aus Richtung Halle und aus Weißenfels nähern sich die neuen Schienen und Weichen, bis sie am Bahnhof zusammentreffen sollen. "Wir kommen 300 bis 400 Meter pro Tag voran, danach müssen die Schienenstränge aber noch eingeschottert und gerüttelt werden", so Sieber. Vom 17. bis 26. September dieses Jahres wird dann noch einmal die komplette Trasse gesperrt. In dieser Zeit wird die Infrastruktur am Gleis auf Herz und Nieren geprüft. Dies war im vergangenen November schon einmal der Fall, als das neue elektronische Stellwerk in Betrieb genommen wurde. Damals wie heute ist die Logistik auf der kilometerlangen Baustelle eine Herausforderung.
So müssen beispielsweise Baustellenzufahrten unterhalten werden, ohne dass sich die vielen Lkw, die Baumaterial liefern, Schutt abholen oder Baumaschinen transportieren, ins Gehege kommen. Auch nach der Umstellung der gesamten Bauarbeiten auf die Westseite der Trasse wird die komplette Logistik umgestellt. "Wir können dann ja nicht die neue Gleisstrecke blockieren", sagt Sieber.
Auch für die Fahrgäste der Deutschen Bahn ist der Umbau eine Herausforderung und verlangt Flexibilität. Beispielsweise funktioniert am Hauptbahnhof in Merseburg derzeit keine der normalerweise zentral gesteuerten Uhren. Auch die Entwerter für Fahrkarten sind zum Großteil außer Betrieb. Der Merseburger Josef Steidl moniert, dass für Rollstuhlfahrer derzeit kein Zugang zu den Bahnsteigen vorhanden ist, "obwohl ein seitlicher Zugang am Busbahnhof mit Bauzäunen gesperrt ist". Umso besser werden die neuen Bahnsteige nach dem Ende der Bauarbeiten im September 2013 zu erreichen sein: zwei Fahrstühle sollen dann den Zugang erleichtern.