Zeltlager der Feuerwehrjugend: Rettung für die Retter?

15.07.2012 19:39 Uhr | Aktualisiert 15.07.2012 20:33 Uhr
Drucken per Mail
Nachwuchs aus Nemsdorf-Jüdendorf

Bei der Nachtwanderung war auch Wissen gefragt. So musste der Nachwuchs aus Nemsdorf-Jüdendorf Feuerwehrgerätschaften erkennen und ihre Verwendung erklären. (FOTO: PETER WÖLK)

Von nico grünke
Der Andrang zum Zeltlager der Feuerwehrjugend ist groß. Doch trotz erster Erfolge sind die Nachwuchssorgen im Kreis noch lange nicht behoben.
leuna/MZ. 

Ein imposantes Flugfeldlöschfahrzeug vom Flughafen Leipzig / Halle parkte am Wochenende mitten im großen Zeltlager der Feuerwehrjugend des Kreises. Das gigantische Gefährt, das für Aufsehen sorgte, stand sinnbildlich für das Konzept der Organisatoren des alljährlich durchgeführten Zeltlagers, das nach 2010 bereits zum zweiten Mal in Leuna stattfand. Denn angesichts der Nachwuchssorgen will man mit dem Zeltlager Anreize für die zumeist technikinteressierten Jugendlichen im Alter von zehn bis 18 Jahren bieten.

"Das abwechslungsreiche Programm soll die Begeisterung für das Hobby bei den Mädchen und Jungen verstärken", sagt Kreisjugendwart Marcel Goldstein. Neben Wissensvermittlung gebe es deshalb auch jede Menge Spiel und Spaß. Beispielsweise wird Zwei-Felder-Ball gespielt. Für gute Stimmung und einen Hauch Abenteuer sorgt eine Nachtwanderung. Zudem beteiligen sich die Polizei und das DRK mit eigenen Stationen und vermitteln Infos zur Suchtprävention.

Der Andrang zum Zeltlager ist groß. "440 junge Wehrleute aus dem Saalekreis sind dieses Mal dabei", sagt Goldstein. Die Teilnehmerzahlen bewegen sich seit einigen Jahren auf diesem Niveau. Schürt das nicht den Optimismus - mit Blick auf die teilweise unterbesetzten Freiwilligen Feuerwehren?

Für Marcel Goldstein, der seit 2011 Kreisjungendwart ist, und seinen Vorgänger Stephan Ossig ist das aber nicht mehr als ein Hoffnungsschimmer: "Die große Zahl der Teilnehmer rührt vor allem daher, dass vor einigen Jahren die rechtlichen Bedingungen geschaffen wurden, um sogenannte Kinderfeuerwehren ins Leben zu rufen", erklärt Ossig.

Viele Kinder, die aufgrund der Neuregelung vor zirka fünf Jahren bereits im Grundschulalter in die Freiwilligen Feuerwehren eingetreten waren, würden nun die Jugendabteilungen verstärken und die Mitgliederzahlen im Nachwuchsbereich stabilisieren.

Zuvor lag das Eintrittsalter bei mindestens zehn Jahren. Die Folge war, dass der potenzielle Nachwuchs sich bis dahin oftmals längst anderen Hobbys zugewandt hatte und das Interesse für die Feuerwehr verloren ging. "Das Problem konnte durch die Neuregelung etwas abgefedert werden", so Ossig. Einige Jugendwehren seien sogar wieder neu gegründet worden.

"Um die Jahrtausendwende waren viele Jugendabteilungen wegen sinkender Mitgliederzahlen geschlossen worden", erzählt Ossig. Der Geburtenknick habe damals unter anderem eine Rolle gespielt. Momentan zähle der Saalekreis in Sachen Jugendfeuerwehr laut Ossig zu den stärksten im ganzen Bundesland.

Dennoch blicken sowohl der ehemalige als auch der aktuelle Kreisjugendwart eher skeptisch in die Zukunft. Von zehn Nachwuchswehrleuten würden es durchschnittlich nur zwei in den aktiven Dienst schaffen, schildert Goldstein das Problem. Im Jugendalter würden eben oft andere Interessen aufkommen. En weiterer Faktor für den Austritt aus der Wehr sei die Konzentration auf die Berufsausbildung. Deshalb fordert Ossig: "Wir brauchen noch mehr Anreize, um die jungen Wehrleute bei der Stange zu halten."

Die von einigen Kommunen im Saalekreis eingeführte Feuerwehrrente sei ein Schritt in die richtige Richtung. Die Gemeinde Salzatal, in der er Gemeindewehrleiter ist, zahle zum Beispiel pro Mitglied monatlich zehn Euro. "Der Betrag ist von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Und es gibt eben auch Gemeinden, die da noch nichts auf den Weg gebracht haben", bedauert Ossig.

Gegenwärtig liege das Durchschnittsalter der Wehrleute im aktiven Dienst in seinem Bereich bei 34 Jahren. Theoretisch könnte ein Feuerwehrmitglied bis zum 65. Lebensjahr im aktiven Dienst mitwirken. "Die meisten ziehen sich verständlicherweise früher zurück" so Ossig.

Er hoffe jedoch, dass die betriebene Nachwuchsarbeit auch einen langfristigen Effekt habe. "Aber wirklich einschätzen können wir derzeit kaum, wie es in zehn Jahren um die Freiwilligen Feuerwehren im Saalekreis bestellt sein wird."