«Geschenk» aus Magdeburg: Franckesche Stiftungen wollen Fliegerbombe ausstellen

09.08.2012 10:14 Uhr | Aktualisiert 09.08.2012 19:15 Uhr
Explosives Exponat: Der Kustos der Stiftungen, Claus Veltmann, mit der Fliegerbombe. (FOTO: THOMAS MEINICKE) 
Von Peter Godazgar
Die Franckeschen Stiftungen sind um ein neues Ausstellungsstück reicher: Am Donnerstag wurde eine alte Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg in den Besitz der Stiftungen übergeben. Sie soll Teil der Daueraustellung im nächsten Jahr werden.
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Halle (Saale)/MZ. 

Die Idee kam ziemlich unmittelbar nach jenem denkwürdigen 27. Oktober 2011. An besagtem Donnerstag im vergangenen Herbst hatten 20 000 Bewohner der halleschen Innenstadt ihre Wohnungen verlassen müssen, weil in der Nähe der Franckeschen Stiftungen, in der Taubenstraße, eine Fliegerbombe gefunden worden war. Wäre es möglich, wäre es sinnvoll, eine Fliegerbombe zum Ausstellungsstück zu machen? fragte sich wenig später das Team um Stiftungsdirektor Thomas Müller-Bahlke.

Die Zerstörungen durch den Bombenkrieg sind schließlich Teil der jüngeren Geschichte der Stiftungen. Exakt 53 Bomben fielen im Laufe des Zweiten Weltkriegs auf das Gelände der Stiftungen, getroffen wurden vor allem Sportplätze und Turnhallen, aber auch das Gebäude der Latina, das Francke-Wohnhaus und der Freylinghausen-Saal.

250 Kilogramm, 1,8 Meter

Am Donnerstag nun konnte der Kustos der Stiftungen, Claus Veltmann, eine Fliegerbombe in Empfang nehmen - 250 Kilogramm schwer, 1,8 Meter lang und, ja, natürlich entschärft. Erste Frage der anwesenden Journalisten: Ist es jene Bombe vom vergangenen Oktober? Claus Veltmann schüttelt den Kopf. Nein, und man könne auch nicht mehr genau sagen, wo sie gefunden wurde. Zur Verfügung gestellt wurde die Waffe vom Kampfmittelbeseitigungsdienst in Magdeburg.

Und nun? Nun soll sie Teil der komplett überarbeiteten Dauerausstellung werden, die im kommenden Jahr anlässlich des 250. Geburtstags von Stiftungsgründer August Hermann Francke eröffnet werden soll.

Claus Veltmann ist sich sehr wohl bewusst, dass eine Bombe als Exponat "eine etwas diffizile Sache" ist: "Wir müssen sehen, wie wir sie in sinnvoller Form in die neue Schau integrieren." Jeglicher Anschein von Revanchismus solle natürlich vermieden werden, so Veltmann. Man wolle auf keinen Fall "das falsche Publikum anlocken".

"Wir versuchen, Vollständigkeit zu erreichen", sagt der Kustos. Dazu gehöre auch der offene Umgang mit der Geschichte der Stiftungen zwischen 1933 und 1945. Und dazu wiederum gehöre die Feststellung: "Es ist eine Legende, dass die Franckeschen Stiftungen zur Nazizeit ein Hort des Widerstands waren."

Verwechslung mit Kaserne

Trotz der Kriegsschäden: Insgesamt kamen die Franckeschen Stiftungen bei den Luftangriffen noch vergleichsweise glimpflich davon. Dabei hatten die Alliierten die Anlage durchaus als Ziel vorgesehen. Das geht aus Bordbüchern der US-amerikanischen Piloten hervor. Man hielt den Gebäudekomplex für eine Kaserne.

Dass die Stiftungen auch beim großen Luftangriff vom 31. März 1945 nicht komplett zerstört wurden, ist wohl allein einem Zufall zu verdanken: Die alliierten Geschwader gerieten beim Angriff auf die Chemieanlagen um Halle unter deutschen Flak-Beschuss. Die Piloten änderten daraufhin ihre Flughöhe, was zur Folge hatte, dass die Ziele nicht mehr so genau getroffen wurden.