Euro-Geldscheine liegen auf einem Haufen. (FOTO: ARCHIV)
Ihre Zeitarbeits-Firma mit Filialen in Halle und Merseburg florierte und brachte einen Millionenumsatz. Doch mit dem Steuernzahlen hatten es die beiden 41 und 51 Jahre alten Inhaber nicht so genau gesehen: Wegen Steuerhinterziehung von insgesamt rund 500 000 Euro hat das Amtsgericht Halle die beiden Männer jetzt jeweils zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Außerdem muss jeder 20 000 Euro Strafe zahlen - unabhängig von den Steuernachforderungen, die sie schon beglichen haben.
"Wir haben uns auf das verlassen, was unser Steuerberater für uns gemacht hat", sagte der jüngere Angeklagte in seinem Geständnis. Allerdings habe er auch keine Bedenken gehabt, als ihm der Steuerberater etwa vorgeschlagen hatte, seinem auch privat genutzten Porsche mit einem Fotobearbeitungsprogramm einen - in der Wirklichkeit nicht vorhandenen - Werbeaufdruck zu verpassen und das Auto so als Marketingobjekt von der Steuer abzuschreiben.
Auf die Schliche gekommen war das Finanzamt den beiden bislang nicht vorbestraften Angeklagten bei einer Routine-Betriebsprüfung im Sommer 2010. Der zuständigen Beamtin fielen mehrere seltsame Dinge ins Auge, etwa mehrere Einbauküchen, Goldbarren, Fliesen, Autos und andere Dinge, die in den Unterlagen der Firma auftauchten. "Es bestand der Verdacht, dass private Lebensführung gewinnmindernd geltend gemacht wurde", sagte sie als Zeugin in dem Prozess. Nach einer Durchsuchung in den Büros ermittelte das Finanzamt, wobei es die Angeklagten der Behörde leicht machten: "In zehn Jahren, die ich für das Finanzamt tätig bin, habe ich noch nie so eine gute Zusammenarbeit mit den Betroffenen erlebt", bestätigte der ermittelnde Finanzbeamte.
Konkret beanstandet wurden sowohl private Einkommensteuer-Erklärungen der beiden Angeklagten für die Jahre 2004 bis 2007 als auch falsche Angaben in Umsatz- und Körperschaftssteuererklärungen des gemeinsamen Unternehmens für denselben Zeitraum.
Aus den Ermittlungen haben die beiden Männer aber schon längst Konsequenzen gezogen und den Steuerberater gewechselt. "Ich bereue das alles. Ich habe mich hoch verschuldet, um alles wieder gut zu machen", sagte der ältere der beiden Angeklagten in der Verhandlung. Mit den angeblichen "Steuersparmodellen" habe es ihnen der vorherige Steuerberater sehr einfach gemacht, dadurch seien sie leichtsinnig geworden. Erst der neue Steuerberater habe ihnen die Tragweite und die Gefahren dieser Art deutlich gemacht.
Die Zeitarbeits-Firma mit rund 450 Mitarbeitern betreiben die beiden nach wie vor. "Ich lebe jetzt sehr bescheiden von 2 500 Euro netto im Monat", betonte einer der Angeklagten. Denn durch die Steuerrückzahlungen seien nun auch die Firmenkonten am Limit.