Bei Edderitz wollen Investoren auf dem jetzt noch freien Feld eine Biogasanlage bauen. (FOTO: HEIKO REBSCH)
"Für mich kommt das Engagement der Bürgerinitiative in Edderitz überraschend", sagt Herbert Aschhoff. Der Betriebsleiter der RMK Anhalt ist gewissermaßen der geistige Vater der geplanten Biogasanlage bei Edderitz, gegen die sich zahlreiche Einwohner des Ortes und nun auch der Ortschaftsrat ausgesprochen haben. Er sei verwundert, dass sich nun mehr als ein Jahr, nachdem das Bauvorhaben bekannt gemacht worden sei, so heftiger Widerstand formiert. "Für uns war von Anfang an klar, dass wir so früh wie möglich alles öffentlich machen wollen", betont der Agraringenieur die Position der vier Landwirtschaftsbetriebe, die derzeit am Bauvorhaben Biogasanlage Wörbzig beteiligt sind.
"Wir stehen ganz am Anfang eines Genehmigungsverfahrens", erklärt Aschhoff den derzeitigen Stand. Bisher gibt es einen Vorentwurf für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan für die Biogasanlage mit einer Leistung von 2,3 MW. Sie soll auf einer Fläche von 200 mal 125 Metern entstehen. "Das sind etwa fünf Fußballfelder", vergleicht der Betriebsleiter. Eine ähnliche Anlage, wie sie bei Edderitz entstehen soll, steht bereits in Könnern - allerdings nicht die große, sondern die kleine Anlage, deren Gärbehälter graue Dächer tragen.
Die Fläche für das Bauvorhaben - am alten wie am neuen Standort - gehört den Gesellschaftern der RMK Anhalt, deshalb hat Aschhoff in ihrem Namen den Antrag für das Bauvorhaben gestellt. Der Landwirtschaftsbetrieb baut auf seinen Flächen unter anderem Mais, Getreide und Zuckerrüben an.
Ein Teil davon soll für die Energieproduktion genutzt werden. "Ursprünglich wollten wir allein eine 500 KW-Anlage bauen", schildert Aschhoff. Der Bau einer sogenannten privilegierten Anlage, die jeder Landwirt auf seinem Land errichten darf, sei aber nicht wirtschaftlich gewesen. Deshalb entschied man sich für den Bau einer größeren Anlage, holte drei weitere Landwirtschaftsbetriebe, darunter Feuerborn aus Cosa, mit ins Boot. Denn die Anlage braucht für den Betrieb eine bestimmte Menge an Substraten. "Zusammen liefern wir 80 Prozent der Rohstoffe, 20 Prozent sind noch offen", erklärt der Agraringenieur.
Da die beteiligten Betriebe in der Mehrheit Flächen westlich von Köthen haben und zudem auch eine Fernleitung für Erdgas dort verläuft, entschieden sich die Investoren für den Standort westlich der Landesstraße L145 bei Wörbzig, jeweils 1,8 Kilometer entfernt von Wörbzig, Großwülknitz und Pfaffendorf. "Wir haben den Punkt gewählt, der von allen Orten am weitesten entfernt liegt", erklärt Aschhoff. Denn man habe weder in noch an einer Ortschaft bauen wollen. "Wir hätten lieber eine Industriebrache genommen, aber die gibt es nicht", betont der RMK-Betriebsleiter. Dabei seien Alternativen abgewogen worden, aber man sei zu dem Ergebnis gekommen: Es gibt keinen besseren Standort. Weil es Einwände der Betreiber des dortigen Windparks gab, habe man den Standort 600 Meter nach Osten an die Grenze des Vorranggebietes Windpark verlegt.
Über das Bauvorhaben und den Standort seien die Ortschaftsräte aller vier angrenzenden Orte informiert und um Stellungnahmen gebeten worden. Mit der Verschiebung ist ein neuer Bebauungsplan notwendig, deshalb wird Aschhoff noch einmal die Räte in Kenntnis setzen. "Wir hätten, baurechtlich gesehen, nur die Wörbziger informieren müssen, auf deren Gemarkung die Anlage geplant ist", erklärt Aschhoff. Bereits bei einer Informationsveranstaltung vor einem Jahr habe man mit besorgten Bürgern gesprochen. "Da ist alles ruhig und sachlich geblieben". Auch mit den Vertretern der Bürgerinitiative in Edderitz hat sich Aschhoff getroffen. "Ich verstehe, dass die Bürger besorgt sind", sagt er. Allerdings müsse man die Fakten zum Bauvorhaben objektiv betrachten.