Anhalt-Bitterfeld: Gottesdienst unter neuem Himmel

13.05.2012 16:35 Uhr | Aktualisiert 13.05.2012 21:19 Uhr
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Von christine Krüger
Die sanierte Decke ihrer Stadt- und Klosterkirche, die jetzt wieder ihre ursprünglich kräftig-frischen Farb-Ornamente zeigt, ist den Brehnaern sogar einen Festgottesdienst wert. Am 20. Mai wird er begangen - als offizielle Einweihung des neuen Kirchenraumes.
Brehna/MZ. 

Nicht nur die knapp 500 Quadratmeter große Kassettendecke, die aus exakt 496 Platten besteht, auch die hohen Wände sind frisch geputzt und gemalert worden, die Empore hat neue Farbe bekommen. "Wir sind sehr froh, stolz und dankbar, dass wir so weit sind", sagt Gunter Daum, stellvertretender Gemeindekirchenrat.

Und das können die Brehnaer durchaus sein. Denn die Kirche steht seit Jahren im Mittelpunkt ihrer Bemühungen. Obwohl sie nie geschlossen war, liefen hier Bauarbeiten. Zuerst am Dach, jetzt im Innern.

Daum ist zugleich Vorsitzender des Fördervereins. Und bei dem laufen die Fäden für die Sanierung des Gotteshauses zusammen. 2000 hat der sich gegründet und schon zwei Jahre später wurde mit der Erneuerung des Daches, das sich über das gewaltige, über 800 Jahre alte Gebäude spannt, begonnen. Bis 2008 liefen die Arbeiten, über eine halbe Million Euro sind da reingeflossen.

"Auch der Dachstuhl musste damals erneuert werden", berichtet Daum. "Und dabei hat sich sogar herausgestellt, dass unsere Kirche nach dem des Merseburger Schlosses den zweitältesten Dachstuhl in Sachsen-Anhalt hat", wirft stolz Sonnhild Becher ein. Sofort hat sie das dentrologische Gutachten, das die Uni Bamberg damals erarbeitet hatte, in der Hand. "Sie haben rausgefunden, dass Kiefernholz verarbeitet wurde und dass das aus dem Jahr um 1532 stammt. Toll, oder?"

Doch mindestens genau so toll ist das Engagement der Fördervereinsmitglieder, der Kirchgemeinde und der Bürger, wenn es um Ideen zur Geldbeschaffung für ihre Kirche geht. Da wird geworben, gespendet, gesammelt, Aktionen und Veranstaltungen werden organisiert. So sind jetzt für die Innensanierung wieder über 10 000 Euro über den Förderverein reingekommen, 12 000 Euro werden den Eigenanteil der Gemeinde ausmachen. Die evangelische Landeskirche, der Kirchenkreis Wittenberg, der Landkreis, die Stadt Sandersdorf-Brehna und Lotto Toto - alle haben ihren Anteil geleistet. Und der, das bestätigt Daum, ist nicht gering. 133 000 Euro, sagt er, sind bis jetzt für die Innensanierung geflossen. Und dabei haben die Mitglieder des Fördervereins kräftig mitgearbeitet, haben den alten Putz abgehackt, Baufreiheit geschaffen, den Finanzierungsplan erarbeitet.

Allein für die Erneuerung der Kassettendecke, die von den drei ortsansässigen Malerfachfirmen vorgenommen wurde, hat die Vorbereitung drei Jahre gedauert, erklärt Bernd Löchel, der Vorsitzende des Gemeindekirchenrates und natürlich selbst auch Mitglied des Fördervereins. "Fertig werden wir hier nie", sagt er lächelnd und wissend und weist in die Runde. So einige Kleinode gibt es hier. Da sind die beiden wertvollen Beichtstühle vom Beginn des 18. Jahrhunderts, die prächtige Patronatsloge derer von Krumbiegel von 1724, die Kanzel, der prachtvolle Altar, die Orgel. Alles das, sagt er, muss auch irgendwann saniert werden. "Als nächstes erstmal die Orgel", wirft Dirk Meißner vom Förderverein ein. "Die braucht eine Generalkur." 160 000 Euro sind veranschlagt. Auch eine Bank-Heizung muss sein, denn geheizt werden kann die Kirche schon lange nicht mehr.

2017, sagt Löchel, ist für die Brehnaer so ein Datum, da soll möglichst alles fertig sein. In dem Jahr endet die Lutherdekade und mit Luther haben sie ja einiges am Hut. Schließlich war Luthers Frau Katharina von Bora in Brehna einst Klosterschülerin und damit hat auch sie in dieser Kirche dem Gottesdienst gelauscht.

"Damals", berichtigt Daum, "ist es nicht diese Kirche, die wir heute kennen, gewesen. Die jetzige hat sich aus der ursprünglich kleinen Stadtkirche und der Klosterkirche, die angebaut wurde, entwickelt. Dann hat das erstarkte, selbstbewusste Bürgertum den Bau nochmal zur Stadt hin erweitert." Der älteste Teil der Stadt- und Klosterkirche übrigens ist der Raum der Stille. Der wurde vor neun Jahren als offene Autobahnkirche ausgewiesen. "Im Mai 2013 wird das Jubiläum gefeiert", so Dirk Meißner.