Am Montagmorgen starb hier ein neunjähriges Mädchen. Es wollte zum Schulbus rennen. (FOTO: THOMAS RUTTKE)
Wie die Polizei mitteilt, fuhr eine 51-jährige Autofahrerin aus Muldestausee mit ihrem Fiat auf der Landstraße in Richtung Tornau vor der Heide. Nachdem die Kinder den Bus aus Richtung Tornau hatten kommen sehen, gingen sie zum Straßenrand und blieben dort stehen. Plötzlich lief das neunjährige Mädchen unvermittelt über die Straße, um zur gegenüberliegenden Haltestelle zu kommen. Dann passierte der schreckliche Unfall. Das ergaben die ersten Ermittlungen der Polizei. Das Mädchen starb noch an der Unfallstelle.
Die Verkehrsunfallaufnahme haben Beamte des Verkehrsunfalldienstes Bitterfeld-Wolfen mit der Hilfe eines Mitarbeiters der Dekra durchgeführt. So wurde von der Dekra auch das Auto durch mehrere Bremsproben auf seine technische Sicherheit überprüft. Die weiteren Ermittlungen dauern an. Während der Unfallaufnahme war die Straße bis Mittag voll gesperrt.
Große Traurigkeit herrscht an der Grundschule "Am Markt" in Raguhn. Die Mitschüler und die Lehrer des Mädchens sind entsetzt und betroffen. Schulleiter Olaf Költzsch hatte von einer Mutter, die ihr Kind zur Schule brachte, von dem tragischen Unfall am Morgen erfahren. Die Polizei, die am Montag in der Schule eigentlich die zweiten Klassen auf ihre Fahrradprüfung vorbereiten sollte, ließ aus dem Gerücht schnell tragische Gewissheit werden. "Es war das erste Mal, dass ich mit einer solchen Situation konfrontiert war", sagte Költzsch betroffen.
Er habe sofort seine dienstliche Vorgesetzte, Christina Greiner vom Landesschulamt, informiert. "Sie ist auch sofort herkommen", so Költzsch. Auch zwei Psychologen waren angereist. Sie waren dabei, als den Klassenkameraden mitgeteilt wurde, dass ihre Mitschülerin tot ist. "Sie wussten bereits von dem Unfall, jedoch nicht, wie tragisch er ausging", berichtete Költzsch. Dabei seien alle Schüler gleichermaßen traurig. "Bei so einer kleinen Schule kennt man sich, egal, in welcher Klasse man ist."
Damit die Kinder und auch die Lehrer das Geschehene verarbeiten können, werden auch am Dienstag den ganzen Tag Schulpsychologen da sein.
Den Eltern wurde freigestellt, ob sie die Kinder in die Schule bringen oder zuhause behalten. Auch die betroffene Klassenlehrerin habe mit der Schulpsychologin gesprochen. Alle Klassenarbeiten seien für die nächsten Tage ausgesetzt. "Dennoch können wir Geschehenes nicht ungeschehen machen. Wir hoffen, dass wir nie wieder in eine solche Situation kommen", sagte der Schulleiter. Tief betroffen habe er der hinterbliebenen Mutter das Beileid ausgesprochen. Die Neunjährige hat Geschwister, die das Schulalter allerdings noch nicht erreicht haben.