Anhalt-Bitterfeld: Rund um Sankt Jakob

01.07.2012 19:49 Uhr | Aktualisiert 01.07.2012 22:12 Uhr
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Musical

Martina Apitz (l.) hatte bei Musical die musikalische Leitung, in den Hauptrollen Emelie Böttcher und Till Schwalba (r.). (FOTO: UTE HARTLING-LIEBLANG)

Von Ute Hartling-Lieblang
Es erwies sich auch diesmal als gute Mischung, Töpfermarkt und Gemeindefest von Sankt Jakob miteinander zu verbinden. Die Töpfer bereicherten das Fest und die Besucher des Marktes wurden bei ihrem Rundgang entlang der Stände bestens unterhalten. Über Besuchermangel konnte am Ende niemand klagen.
Köthen/MZ. 

Wer am Morgen noch sorgenvoll zum Himmel geblickt hatte, ob denn Petrus das Fest verregnen lassen würde, der konnte sich am Nachmittag über angenehmes Sommerwetter freuen.

Entführt wurden die Besucher des Gemeindefestes am Sonntag gleich zweimal in die Geschichte, in die des Alten Testamentes und der 800-jährigen von Anhalt. Den Auftakt gab in Sankt Jakob das Kindermusical "Versprochen ist versprochen" mit Emelie Böttcher als Sarah und Till Schwalba (Dessau) als Abraham.

"Eigentlich sind wir rund 50 Mitwirkende, heute sind es etwa 30", so die musikalische Leiterin Martina Apitz. Entstanden ist das Musical, das Ruthild Wilson geschrieben hat, bei der Kindersingewoche der Evangelischen Landeskirche Anhalt, uraufgeführt wurde es beim Kirchentag in Ballenstedt. Mit immer neuen Mitwirkenden sei es aber "immer wieder spannend, wie sich das Stück entfaltet", sagt Apitz. Die Freude an der Aufführung war Akteuren und Zuschauern in der gut besetzten Jakobskirche anzumerken. Stellvertretend für viele steht Familie Heinze aus Köthen. Während der zehnjährige Jonas zu den Musical-Darstellern gehörte, schauten die Geschwister Paul Luca (6) und Marie Isabelle (8) zu und fanden: "Jonas und die anderen haben es gut gemacht. "

Einen Zeitsprung in das Jahr 1596 unternahmen am Nachmittag die Darsteller des Theaterstückes "Die Weiber von Wörbzig", das nach einer Vorlage von Günter Preckel, Archivar der Landeskirche, entstand. Preckel stieß in alten Wörbziger Kirchenbüchern auf die historische Vorlage, die davon berichtet, dass sich die Wörbziger erfolgreich gegen die zweite Reformation der Kirche durch die Köthener Fürsten zur Wehr setzten. Diefürstlichen Brüder hatten sich um 1600 der reformierten Lehre Calvins zugewandt und wollten Luthers Katechismus flächendeckend abschaffen. So sollten unter anderem die Bilder aus den Kirchen entfernt werden. Überliefert ist, so Preckel, dass die Wörbziger bis 1880 Lutheraner blieben. Das Stück greift jene Auseinandersetzungen in Anhalt auf. Regie und Hauptrolle hatte Nicola Hedemann, die sich, unterstützt von den Wörbziger Weibern (gespielt von Frauen aus der Kirchgemeinde) auf der Bühne erfolgreich gegen die Soldaten der Fürsten zur Wehr setzte. Was auf dem Markt in Köthen mit viel Beifall bedacht wurde. Am Ende des Stückes sangen Publikum und Schauspieler gemeinsam "Nun danket alle Gott".

Gesungen, getanzt und musiziert wurde beim Gemeindefest den ganzen Tag über. Mit Liedern und Tänzen aus ihrer Heimat erfreuten zum Beispiel "Die singenden Vögelchen", der Kinderchor der Migrationsberatung. Für Stimmung und gute Laube sorgte am Nachmittag ein Ensemble, zu dem sich Martina und Manfred Apitz, Andreas Hardelt und Eric Hager sowie Manuela Michel (Gesang) zusammengetan haben. Ihr Repertoire reichte von Klasik über Irish Folk bis Popp. Umrahmt war das Gemeindefest noch von vielen anderen Attraktionen. Dazu gehörte das Fassadenklettern, organisiert vom Verein für Erlebnispädagogik und Jugendsozialarbeit um Jugendreferent Uwe Kretschmann.