Ein Albtraum. Das Auto vollgepackt. Die Musik dudelt im Radio. Noch wenige Stunden bis zur gewünschten Entspannung an der Küste und plötzlich fällt der Motor aus. Panne. Liegengeblieben auf dem Asphalt. Rings herum nur weiße Linien und Motorenbrummen. Die Kinder quengeln. Der Urlaub scheint verloren.
So schlimm es aussieht, wird es nicht. "Einfach ruhig bleiben, wir kommen", sagt Fritz Häder. Der Chef des Brehnaer Abschleppdienstes ist Vertragspartner des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs (ADAC) und hat schon etliche Fahrzeuge in die Werkstätten an der Autobahn 9 geschleppt.
25 Fahrzeuge traf dieses Schicksal im Juli auf der A 9 zwischen der Anschlussstelle B 100 und Dessau-Roßlau. Dazu zählte die Polizeidirektion Ost weitere 25, die mit einem Reifenschaden liegen blieben. "Das hängt mit dem Temperaturen zusammen", heißt es aus der Dessauer Zentrale. Im Sommer blieben wegen der Hitze auch mehr Autos liegen als im Winter. "Vor allem Schäden durch Kühlwasserverlust verursachen die Pannen", weiß Gerd Binner vom ADAC.
Binner ist Bereichsleiter für den Gelben-Engel-Bezirk Sachsen und Sachsen-Anhalt. Bis nach Dessau reicht sein Revier. "Danach ist Berlin verantwortlich", sagt Binner und rät: "Bevor es überhaupt in den Urlaub geht, packt man besser genug zu trinken ein. Vor allem für die Kinder." Dazu soll Spielzeug unbedingt mitgenommen werden. Wer tatsächlich nicht mehr vom Fleck kommt, müsse die Kinder beschäftigen.
"Die meisten Fahrer brauchen erst einmal eine Weile, bis sie wieder zu sich kommen", weiß Binner. "Es ist ja eine Gefahrensituation. Man kann sich allein nicht helfen." Wer Mitglied im Automobilclub ist, ruft diesen an. "Und der nächsten Einsatzwagen wird vorbeigeschickt." Wer nicht weiter weiß, nutzt die Notrufsäule. Auch Nichtmitgliedern würde geholfen. Auch Urlauber aus anderen Ländern wie Italiener, Niederländern und Skandinaviern hat der ADAC schon durchgebracht. "Je nach dem wie schwer das Fahrzeug beschädigt ist, kann noch am selben Tag weitergefahren werden. Im Notfall mit einem Ersatzwagen."
Wenn das eigene Fahrzeug abgeschleppt werden muss, rollt Häder an. "Wir haben alles schon gesehen", sagt der Brehnaer, der schon zu DDR-Zeiten die Firma gründete. Damals hatte er Trabants, Moskwitzschs und Ladas am Haken. Heute natürlich mehr Autos als damals. "Aber kurz vor der Wende waren die Großbetriebe auch schon Mitglied im ADAC." Inzwischen ist sein Sohn ins Geschäft eingestiegen. "Wir haben fünf kleine Wagen und drei große für Lkw", ist Häder auch ein bisschen stolz. "Die meisten sind dankbar für unsere Hilfe." Und auf der Autobahn muss auch niemand zurückbleiben. In der Regel hat jeder Abschlepper Platz für vier Mitreisende. "Man muss sich aber mit den Autos auskennen. Nicht alle kann man heute noch überall anheben", sagt Häder.
Für die schwierige Fälle haben die umliegenden Werkstätten Rat. Meister Manfred Hesse vom gleichnamigen Autohaus hat schon viele Wagen von Häder übernommen. "Schwierig wird es nur, wenn der Motor einen Totalschaden hat. In der Regel kriegen wir es hin", sagt Hesse. Auch Ausländern hat er schon geholfen. "Dann sprechen wir schlechtes Englisch und nutzen Zeichensprache", verrät Hesse lachend. "Alles halb so wild."