Aschersleben: 58 Liter in einer Stunde

06.07.2012 20:07 Uhr | Aktualisiert 06.07.2012 22:52 Uhr
Drucken per Mail
Stefanie Poser

Noch bis in die Mittagsstunden war Stefanie Poser damit beschäftigt, die Unwetterfolgen zu beseitigen. Eimerweise musste die braune Brühe entsorgt werden. (FOTO: MZ)

Von detlef valtink
Die Bewohner der Florian-Geyer-Siedlung bekommen Hilfe von der Stadt. Die Verwaltung prüft jetzt, ob das Regenrückhaltebecken in der Güstener Straße erweitert werden muss.
aschersleben/MZ. 

Der Krisenstab der Ascherslebener Stadtverwaltung wird an diesem Wochenende weiterhin in Alarmbereitschaft bleiben. Denn nachdem am Donnerstagabend sintflutartige Regenfälle in Teilen der Einestadt für katastrophale Zustände sorgten, rechnen die Stadtväter nach weiteren Unwetterwarnungen mit noch mehr Problemen. "Wir hoffen auf das Beste und sind auf das Schlimmste vorbereitet", erklärte Oberbürgermeister Andreas Michelmann.

Weitere Straßenzüge betroffen

Am Donnerstag hatten die 70 Kameraden aus sieben Feuerwehren rund 80 Einsätze in knapp neun Stunden absolviert, wobei die Wohnsiedlung "Florian Geyer" den Schwerpunkt ausmachte. Aber auch Straßen nördlich der Bahnlinie wie die Ober-, Mittel- und Unterstraße und die Marien-, Hecklinger-, Armstrong- und Händelstraße, waren besonders von den Wassermassen betroffen. Auch Grundstücke auf der anderen Seite der Güstener Straße, wie das der Firma MCE, benötigten die Hilfe der Feuerwehr.

In der Ursachenforschung sind sich die Analysten einig: Rund 58 Liter Regen fiel in einer Stunde je Quadratmeter, so an der Messstation am Klärwerk in der Schierstedter Straße, auf die Erde. Ein Wert, der sonst dem Monatsdurchschnitt entspricht. Diese Fluten konnten das Rückhaltebecken in der Güstener Straße und die Kanalisation nicht bewältigen. "Es war das erste Mal, dass das Becken übergelaufen ist", erklärte der Oberbürgermeister.

Standgehalten hat dagegen das zweite Becken im Gewerbegebiet. Und auch das noch zu bauende dritte Becken soll so dimensioniert werden, dass es solche Fluten aufnimmt. "Wir prüfen jetzt, ob das erste Becken erweitert und umgebaut werden kann", kündigte Andreas Michelmann an. Mittelfristig soll auch der Kanalisationsquerschnitt in der Geyer-Siedlung erweitert werden. Diese Maßnahme ist bereits Teil des Straßen- und Abwasserbauprogrammes der Stadt, soll nun aber vorgezogen werden.

Im Moment ist die Verwaltung damit beschäftigt, die akuten Probleme zu lösen. So wurden in Absprache mit dem Landkreis zwei Fahrzeuge des Abfallwirtschaftsbetriebes eingesetzt, um den Grobmüll der vom Unwetter betroffenen Anwohner entsorgen zu lassen. In den nächsten Tagen werden auch die Böschungen am Radweg zwischen dem Parkplatz in der Oststraße nördlich des Bahnhofes und der Ziolkowskistraße wieder hergestellt und der Schlamm entsorgt.

In den wassergeschädigten Straßen hat der Eigenbetrieb Abwasserentsorgung der Stadt den Auftrag erteilt bekommen, die Abläufe zu säubern. "Die erste Aufregung hat sich gelegt", ist auch Ascherslebens Ordnungsamtsleiter Jürgen Grzega zufrieden, dass der Einsatz aller Rettungskräfte ohne große Probleme organisiert werden konnte.

Rauchschwaden aus Keller

Zwischenzeitlich standen die Retter in der Siedlung vor einem großen Problem. Rauchschwaden drangen aus einem Keller und beißender Geruch verbreitete sich. Die Messgeräte der Feuerwehr schlugen an und unter den Anwohnern verbreitete sich das Gerücht, dass giftige Dämpfe oder Gase austreten würden. Nur in Schutzbekleidung und nachdem das Wasser abgepumpt war, konnte die Ursache ermittelt werden.

Eine Schaumstoffmatratze war von dem Wasser an eine Neon-Leuchtstoffröhre gedrückt worden und hatte sich entzündet. In anderen Eigenheimen wurden dagegen die Öltanks aus ihren Verankerungen gerissen. "Es sind aber keine Umweltschäden eingetreten", weiß der Ordnungsamtsleiter. Bevor die Einsatzkräfte aktiv werden konnten, musste in der Siedlung, da sich die meisten Verteilerkästen in den Kellern befinden, der Strom abgestellt werden.

Erst dann konnten die Pumpen der Wehren zum Einsatz kommen. Diese wiederum senkten den Wasserspiegel, bedingt durch den erhöhten Stand im Wasser, dann auch durchschnittlich um zehn Zentimeter. "In solchen Situationen ist es dann völlig normal, dass jeder erst einmal darauf bedacht ist, sein Eigentum schützen zu wollen", erklärt Jürgen Grzega, warum es zu heftigen Wortgefechten gekommen war. Die Situation beruhigte sich schnell.