In der von Markus Knoche gegründeten Facebook-Gruppe «Kindheit in ASL» schwelgen 2008 Mitglieder in Erinnerungen. (FOTO: Gehrmann)
"Ich hatte die Idee. Mehr nicht", sagt Markus Knoche. Doch bei aller Bescheidenheit, die er an den Tag legt: Der 33-jährige Ascherslebener hat mit wenigen Mausklicks einen lokalen Internet-Hype entfacht. Er ist der Gründer der virtuellen Gruppe, die sich schlicht "Kindheit in ASL" nennt. Auf Facebook, dem weltgrößten Online-Netzwerk, hat sie mittlerweile 2008 Mitglieder.
Aber erst seit kurzem. "Vor fast einem Jahr haben wir mit gerade mal fünf Leuten angefangen", erzählt Knoche. "Lange Zeit war es auch sehr ruhig". Bis Anfang April die Mitgliederzahlen förmlich explodierten. "Ich bin selbst überrascht", gesteht der Administrator angesichts der Entwicklung. Erst 500 Anhänger, dann 1 000, 1 500 und am Wochenende wurde die 2 000er-Marke überschritten. Kettenreaktion: Die Mitglieder laden ihre Freunde ein, die wiederum ihre und so weiter und so fort. So wächst die Community. Und auch der Gesprächsstoff.
Seit Wochen schwelgen die Ascherslebener in Erinnerungen - an ihre Kindheit, an ihre Jugend und ihr junges Erwachsenenalter - und laden ein ums andere Foto hoch, um allen anderen zu zeigen, wie es damals war. Viele wissen's noch genau, schildern lebhaft und als ob es gestern war, was sie erlebt haben, beispielsweise beim Schwimmunterricht im Stadtbad, zur Jugendweihe, zur Disco im HDW, im "Affen" und in der Melle... Fast jeder hat eine Geschichte beizusteuern. Und das ist gut so, findet Knoche: "Vieles hatte ich gar nicht mehr auf dem Schirm", sagt der Gruppengründer. "Ich selbst war immer tierisch gern im Tierpark - das war meine Welt", erzählt er. Und auch an die Silvesterfeuer kann sich der gebürtige Ascherslebener noch gut erinnern. Auch wenn er die "Hälfte seiner Kindheit" woanders zugebracht hat, "Aschersleben hat mir schon immer gefallen. Und heute kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, fortzuziehen", meint er.
Andere sind aber fortgezogen und wieder andere hat man über all die Jahre aus den Augen verloren. Eine Anlaufstelle musste also her, dachte sich Knoche und gründete die virtuelle Gruppe, die Ascherslebener, ehemalige Ascherslebener und später Zugezogene vereint. Aber gleich so viele? So richtig fassen, kann er es zwar immer noch nicht, freut sich aber ob des regen Zuspruchs - Postings fast im Minutentakt. Mit zunehmender Aktivität wächst auch der administrative Aufwand. "Ich versuche auf dem Laufenden zu bleiben, aber das ist nicht immer möglich. Ich habe einen Job und der frisst Zeit", erklärt Knoche, dass er nicht permanent online sein kann, um einzuschreiten, sollte der Umgangston doch mal etwas rauher werden. "Ich bin froh und dankbar, dass es bisher ganz gesittet abgelaufen ist", meint er, "es gibt Foren, da geht es hitziger zu". Aber eben auch nicht um schöne Erinnerungen wie bei "Kindheit in ASL".