Das Singen, von der Gitarre begleitet, gehört für diese Mannsbilder aus Aschersleben zum Herrentags-Ritual. (FOTO: FRANK GEHRMANN)
"Wann wird's mal wieder richtig Sommer?" Gitarrenklang und Männersang dringen vom Hof der Gaststätte "Zum grünen Röckchen" in Harkerode wohlklingend ans Ohr des Passanten. Die gesungene Frage ist keine Klage für die sieben Männer aus Aschersleben. Denn zu klagen gibt es zumindest am Donnerstag nichts für sie: Das Leben ist schön!
Gemeinsam mit anderen Männertags-Runden haben sie es sich auf dem Hof in der Sonne gemütlich gemacht. Vor sich ein gepflegtes Bier und die sorgsam abgehefteten Liedertexte. Neben sich den knallroten Bollerwagen mit gelben Aufschriften wie "Achtung Männertag". Das "Röckchen" in Harkerode ist traditionell die erste Rast für die Handball-Fans, die sich jedes Jahr zu Himmelfahrt per pedes auf den Weg machen von Alterode über Harkerode und Westdorf nach Aschersleben. So um die 13 Kilometer sind das, und ausgefallen ist die Tour noch nie, sagen sie. Der Mann an der Gitarre ist Thomas Meißner. Sein inzwischen verstorbener Vater, Konrad Meißner, ist die Strecke jahrelang gegangen - irgendwann auch mit Sohnemann und dessen Freund Steffen. "Wir führen die Tradition jetzt fort und nennen den Weg die Konny-Meißner-Gedächtnisroute", erklärt Lars Oertel zwischen "Bossa Nova" und "Aber bitte mit Sahne". Andreas Horn reist für die Herrentags-Tour extra aus Augsburg an. Dass es im vergangenen Jahr aus beruflichen Gründen nicht geklappt hat, macht ihn heute noch traurig. Seine Kumpels täuschen Mitleid vor und tätscheln ihm das lange Haar.
Ein Stück weiter in Richtung Aschersleben sitzt eine fröhliche Männer-Runde aus Westdorf im Gras. Die Verpflegung stimmt: Denn neben Bier lassen sie sich Brötchen und Hausschlachtewurst schmecken. Seit 1989 ziehen sie zusammen los. Gewöhnlich legen sie die Strecke von Westdorf nach Harkerode und retour mit dem Kremser zurück. Doch der Fuhrwerk-Lenker Hansi Zjaba feiert seinen 60. Das zählt als Entschuldigung fürs Fernbleiben von der wichtigsten Veranstaltung des Jahres und dem einzigen Tag, "an dem wir was zu lachen haben", wie Locke verkündet. Mit dem größten Vergnügen nehmen die Männer sich selbst und die Kumpels auf die Schippe. Einige von ihnen tragen stolz ihr T-Shirt, mit dem sie als Westdorfer den Rest der Welt grüßen. Andere sind "ein bisschen rausgewachsen", wie sie zugeben und auf stattliche Bäuche zeigen. Das liege an der guten Verpflegung, sagt einer. "Aber nur heute. Sonst gibt's nur Knäckebrot", meint er, vom Gelächter der anderen begleitet. Ihre Frauen hätten sich daran gewöhnt, ihre Männer am Himmelfahrtstag entbehren zu müssen. "Die sind sogar froh", glauben sie.
Sportlich nehmen ein paar junge Männer um die 20 den Tag, die sich morgens gegen halb 10 am Alten Zollhaus in Aschersleben treffen. Sie radeln zum Gartenhaus, wo sie sich auf eine zünftige Partie mit dem Kremser freuen. Dass alle mit dabei sind, ist für Felix, Christiano, Devis, Philipp, Peter und die anderen Ehrensache. Im vergangenen Jahr hatte sich Peter den Fuß gebrochen. Er kam trotzdem mit, wurde von seinen Freunden im Handwagen mitgezogen. "Ich hatte es gemütlich mit drei Kissen im Wagen", weiß er noch. In diesem Jahr fehlt Enrico Maywald. Der ist seit Februar in Afghanistan im Einsatz. "Können Sie den auf diesem Wege mal grüßen?" Klar, machen wir!