Aschersleben: Mieter der Gartenstadt setzen sich durch

09.05.2012 18:33 Uhr | Aktualisiert 09.05.2012 19:57 Uhr
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Gartenstadt

Die Häuser der Gartenstadt sollen zwar nicht wärmegedämmt, dafür aber erhalten werden. (FOTO: FRANK GEHRMANN)

Von harald vopel
Die sogenannte Ascherslebener Gartenstadt im Winkel zwischen Heinrich-Heine-Straße und Freiligrathstraße soll so bleiben, wie sie ist. Der geplante Abriss der das kleine Wohngebiet prägenden Viertelhäuser ist vom Tisch.
aschersleben/MZ. 

Die sogenannte Ascherslebener Gartenstadt im Winkel zwischen Heinrich-Heine-Straße und Freiligrathstraße soll so bleiben, wie sie ist. Der geplante Abriss der das kleine Wohngebiet prägenden Viertelhäuser ist vom Tisch, teilte der Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Einigkeit mit. Damit hat sich die Bürgerinitiative, die sich aus betroffenen Mietern und gleichzeitig Genossenschaftsmitgliedern rekrutiert hatte und hinter den Kulissen unter anderem von CDU-Stadtrat und Landtagspräsident Detlef Gürth unterstützt wurde, gegen die Pläne des Genossenschaftsvorstandes durchgesetzt. "Wir sind mit der Entscheidung zufrieden. Uns geht es schließlich vor allem darum, das Wohngebiet, welches vom ehemaligen Stadtbaurat Hans Heckner entworfen wurde, in seinem jetzigen Aussehen zu erhalten", sagten am Mittwoch die Mieter Frank Schillert, Eva Altmann und Ilona Martin übereinstimmend.

Andererseits ging es den Betroffenen - und damit halten sie auch nicht hinter dem Berg - darum, für sich bezahlbaren Wohnraum zu erhalten. Im Falle des von der Wohnungsgenossenschaft eigentlich geplanten Abrisses und Neubaus der Viertelhäuser wäre die derzeit vergleichsweise niedrige Kaltmiete nämlich auf rund sechs Euro pro Quadratmeter gestiegen. Mit Sicherheit ein wichtiger Grund dafür, dass sich 92 Prozent der Mieter gegen den Abriss und lediglich für eine sogenannte Pinselsanierung entschieden haben. Pinselsanierung bedeutet, dass die Häuser lediglich neu verputzt und angestrichen werden sollen. Gleichzeitig sprachen sich die 76 in einer Umfrage befragten Mietparteien mehrheitlich gegen eine umfassende Wärmedämmung der Häuser aus. Die hätte die Miete um 1,25 Euro pro Quadratmeter steigen lassen, was im Einzelfall zwischen 80 und 90 Euro Mehrkosten im Monat verursacht hätte. "Im Gegenzug wären die Heizkosten gerade einmal um 16 bis 20 Euro gesunken", erklärte am Mittwoch Frank Schillert.

Verzichten will eine deutliche Mietermehrheit auch auf den geplanten Bau von Auto-Stellflächen auf einem Teil des Geländes der Hausgärten, genau wie auf den Abriss ehemaliger kleiner Ställe, die durch Abstellräume ersetzt werden sollten. Beides zusammen hätte noch einmal mit 27 Euro (12 Euro für Abstellraum und 15 Euro für Stellfläche) in der Mietkasse zu Buche geschlagen.

Mit der Entscheidung, auf den Abriss der Häuser zu verzichten, hat Genossenschafts-Vorstandsvorsitzender Peter Schröter Wort gehalten. Auf einer Informationsveranstaltung am 21. März waren die dort von ihm vorgestellten Pläne zur Sanierung der Gartenstadt auf heftige Kritik bei den Mietern gestoßen. Daraufhin hatte Schröter eine Umfrage in Zusammenarbeit mit den Mietern der Gartenstadt angeregt und versprochen, nach deren Ergebnis zu verfahren. Allerdings hatte Schröter bei dieser Gelegenheit auch gesagt, er werde einen Teufel tun und vielleicht gegen Gesetze verstoßen. Und genau an dieser Stelle gibt es vielleicht doch noch einen - zumindest kleinen - Haken. Um auf den Einbau einer Wärmedämmung, die durch die Energiesparverordnung eigentlich vorgeschrieben wird, verzichten zu können, benötigt die Genossenschaft nämlich eine Ausnahmegenehmigung. "Um die bemühen wir uns jetzt und hoffen, dass wir sie auch bekommen", sagte Peter Schröter am Mittwoch. Dass solche Ausnahmen von Gesetzes wegen durchaus gemacht werden können, das bestätigte der Leiter des Bauordnungsamtes des Salzlandkreises, Herrmann Alpers auf Anfrage der Mitteldeutschen Zeitung.