Es ist ein Ereignis für Frühaufsteher - der Venustransit am 6. Juni. Pünktlich zum Sonnenaufgang um 4.57 Uhr sollte man zur Stelle sein. Und wer zu spät kommt, den bestraft das Leben - in diesem Fall unerbittlich. Denn es ist für alle die letzte Chance, das zwar regelmäßige, aber auch seltene Himmelsereignis zu beobachten. Erst 2117 ist es wieder so weit.
Ein Termin fürs Leben also, auf den sich die hallesche Astronomie-Szene seit Wochen vorbereitet. "Das ist ein fester Termin in unserem Kalender", sagt Birgit Seidel, Leiterin des Raumflugplanetariums auf der Peißnitz. "Wir bieten Vorträge an. Leider können wir das Ereignis selbst nicht von hier aus beobachten. Die Sonne wird tief stehen, und die Peißnitz ist der tiefste Punkt in Halle. Lehmanns Felsen versperrt den Blick."
Alternativ lädt die Gesellschaft für astronomische Bildung, die im Planetarium ihr Domizil hat, auf den Hügel am Wasserspielplatz in Heide-Süd. Wie auch schon zur partiellen Sonnenfinsternis im Januar 2011 sollen dort verschiedene Teleskope aufgebaut werden, durch die jeder schauen kann. "Es soll keiner zu kurz kommen", sagt Mitorganisator Philipp Lühr. Doch wenn das Wetter nicht mitspielt? "Wenn auch nur der Horizont bewölkt ist, ist alles vergebens. Das wäre sehr schade, aber ich hoffe ganz stark", sagt Birgit Seidel.
Bei gutem Wetter wird die Venus mit bloßem Auge als winziger Punkt auf der Sonne erkennbar sein. Zwingend erforderlich sind Beobachtungsbrillen oder die Ausstattung der Geräte mit entsprechenden Filtern, sonst besteht akute Gefahr für die Augen. "Wir bringen Brillen und rund ein Dutzend Feldstecher mit Sonnenschutz mit", sagt Lühr.
Auch an Sachsen-Anhalts ältestem Planetarium in Kanena bereitet man sich auf das himmlische Zusammentreffen vor. Doch hier ist der Blick zum Osthorizont ebenfalls versperrt. "Beim letzten Transit 2004 waren wir auf dem Parkdeck vom Hep in Bruckdorf", sagt Torsten Klepzig vom Planetariumsverein. Ob das dieses Jahr wiederholt wird, wird im Verein erst am Mittwoch entschieden. Doch was fasziniert an diesem winzigen Fleck auf der Sonne? "Die Venus ist ungefähr so groß wie die Erde. Da kann man sich die Größenverhältnisse im Sonnensystem ein bisschen besser vorstellen", sinniert Klepzig.
Helmut Grätz, Physiker an der Martin-Luther-Universität, denkt über das Sonnensystem hinaus. "Bei solchen Ereignissen schweifen meine Gedanken noch weiter weg. Mich fasziniert eher die Suche nach außerirdischem Leben." Doch der Transit darf auch im Uniprogramm nicht fehlen. Grätz zieht mit seinen Studenten auf den Ochsenberg in Kröllwitz. "Alle Kröllwitzer sind natürlich eingeladen."
Vorträge im Planetarium auf der Peißnitz am 27.5. und 3.6., 14.30 Uhr