Bergzoo Halle: Liebevolle Pflege für kleinen Papagei

04.05.2012 08:16 Uhr | Aktualisiert 04.05.2012 13:31 Uhr
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Pflegerin Petra mit Kea-Papagei «Nelson»

Aufmerksam verfolgt der rund sechs Wochen alte Kea-Papagei «Nelson» im Bergzoo Halle unter den Augen von Pflegerin Petra Strecker das Treiben in seiner Umgebung. (FOTO: DPA)

Hungrig reißt der kleine Papagei seinen gelben Schnabel auf. Von Hand wird er im Bergzoo Halle aufgezogen. Über den Berg ist er noch nicht - aber schon ein Star der anderen Art.
Halle (Saale)/Leipzig/dpa. 

Opossum Heidi aus dem Leipziger Zoo liebten ihre Fans gerade wegen ihrer schielenden Augen. Winzling Nelson aus dem Zoo in Halle hat es weitaus schwerer, die Herzen der Menschen im Sturm zu erobern: Die britische Zeitung „Sun“ bezeichnete den kleinen Vogel gar als den hässlichsten Papagei Deutschlands, weil er auf ersten Fotos mit nackigem Bauch und nur wenigen Federn eher erbarmungswürdig als niedlich aussah. Den Papagei hat es wirklich hart getroffen. „Seine Mutter Owaka kann mit ihm nichts anfangen, von Anfang an“, weiß der Vize-Chef vom Zoo in Halle, Timm Spretke, zu berichten. Dies sei aber bei der ersten Brut nichts Ungewöhnliches.

Von der sechs Jahre alten Papageiendame wurde Nelson gleich nach dem Schlüpfen aus dem Ei verstoßen - nun müssen die Tierpfleger einspringen. Sie päppeln den unterdessen sieben Wochen alten Vogel mit dem auffallenden gelben Schnabel seit März liebevoll jeden Tag mit selbst gemachtem breiigen Futter auf. „Nelson hat ständig Hunger und nimmt gut zu“, heißt es in einem Bericht auf der Internetseite des Zoos. Cook, der zehn Jahre alte Vater des jungen Papageis, ist bei der Aufzucht seines einzigen Nachwuchses indes keine Stütze.

Er kümmert sich lieber um die Damenwelt in der Voliere, statt um seinen Jungen. „Die Männchen können mit mehreren Weibchen zusammenleben“, weiß Spretke über die Keas - Bergpapageien - zu berichten. In freier Natur leben sie in Höhlen, sogar in 2000 Metern Höhe. Sie stammen ursprünglich aus Neuseeland, erzählt Spretke, der zudem Kurator für die Vögel im Zoo ist. Keas zählen zu den intelligentesten Papageien.

In Halle leben im Tierpark auf einer Fläche von neun Hektar rund 1700 Tiere in etwa 250 Arten, Elefanten genauso wie Faultiere. Bei den Vögeln sind es mehr als 100 Arten. Viele leben in der 24 Meter hohen und 700 Quadratmeter großen Voliere. Die markante Bogenkonstruktion auf einem Felsen ist ein Wahrzeichen des Zoos.

Doch weder dort noch in den anderen Vogelanlagen ist Nelson - der erste Zuchterfolg seiner Art im Zoo Halle - derzeit zu sehen. Er wird wohl noch einige Wochen im kuschelig warmen Aufzuchtraum bei Tierpflegerin Petra Strecker und damit hinter den Kulissen verbringen müssen, um ein großer, schöner Papagei wie seine Artgenossen zu werden; mit orange-olivgrünem Gefieder. „Er ist sehr zutraulich und liebebedürftig“, beschreibt die Tierpflegerin ihren Schützling.

Sein „gerupftes“ Aussehen beim Schlüpfen am 16. März - damals wog er elf Gramm - ist nach Angaben des Vogelexperten Spretke „völlig normal“. Nelson sei nicht hässlich und schon gar nicht der hässlichste Papagei, er bekomme ja auch erst nach und nach Federn. Bis das Geheimnis seines tatsächlichen Aussehens für die Zoo-Besucher gelüftet und der Vogel gezeigt werden wird, dauere es noch einige Zeit.

„Erst mit etwa zwölf Wochen sind Keas flügge, wenn sie von den Eltern versorgt worden sind“, betont Spretke. Das könnte bei Nelson anders sein, da er ja von Hand aufgezogen werde, was bei einem Papagei eher selten sei. „Ganz über den Berg ist er noch nicht, weil er noch nicht eigenständig Futter aufnimmt“, beschreibt der Experte das tägliche Bangen der Tierpfleger.