Unrat am Karlsplatz. (FOTO: E. PÜLICHER)
Tatsächlich verbringen mehrere Grüppchen die Abendstunden auf dem Karlsplatz. Ihren Müll lassen die jungen Frauen und Männer nicht selten einfach an Ort und Stelle fallen.
Über die Stränge schlagen
"Der zentrale Platz war schon immer ein Treffpunkt für Jugendliche", sagt Doris Tell, Leiterin des Kinder- und Jugendamtes der Stadt. Dass sich die jungen Erwachsenen dort aufhalten würden, spreche letztlich für die Attraktivität des Karlsplatzes. Sie bedauere jedoch, dass sich einige Jugendliche daneben benehmen und über die Stränge schlagen.
Seitdem der Rewe-Markt im Kaufhaus eröffnet hat, ist der Treffpunkt noch attraktiver geworden. Die Jugendlichen kaufen Getränke. Einige sogar Alkohol. Und genau da liegt der Knackpunkt. Im angetrunkenen Zustand schrecken die jungen Bernburger vor fast nichts zurück. Roland Reichelt kann davon ein Lied singen. Der Geschäftsführer der Bernburger Freizeit GmbH ist entsetzt, wie weit die Jugendlichen gehen. Nicht nur auf dem Karlsplatz, sondern auch in der Tiefgarage würden sie ihr Unwesen treiben. Beschmierte Wände seien noch das geringste Übel. "Es wurde auch in einige Ecken uriniert." Reichelt fürchtet um die Sauberkeit der Tiefgarage und um die Sicherheit. Schließlich würden einige Jugendliche mit ihren Fahrrädern durchs Parkhaus brausen - ein unkalkulierbares Risiko für Autofahrer. Reichelt erzählt sogar von "Wettbewerben" im Speerwerfen. Als Wurfgeschosse müssten Leuchtstoffröhren herhalten. Damit nicht genug. Mit Feuerzeugen hätten Jugendliche die Sprinkleranlagen in Gang gesetzt. Die Feuerwehr rückte aus. Auch Roland Reichelt war vor Ort. Schließlich musste das Wasser wieder aufgewischt werden. Über derartige "Späße" kann er nicht lachen. Die Jugendlichen würden immense Schäden anrichten. Reichelt erstattete jedes Mal Anzeige. Täter können oftmals jedoch nicht ermittelt werden. Was also tun? "Einen großen Handlungsspielraum haben wir nicht", sagt er. Schließlich sei die Tiefgarage ein öffentliches Parkhaus. Eine Festung könne daraus nicht gemacht werden.
Das Problem ist auch im Rathaus bekannt. "Wir haben eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen", sagt Ordnungsdezernent Holger Dittrich. Freizeit GmbH, Polizei, Rewe, Ordnungsamt sowie Kinder- und Jugendamt würden an einem Strang ziehen, um des Problems Herr zu werden. Erste Erfolge seien zu verzeichnen. Im Rewe-Markt, in dem Jugendliche ebenfalls ihr Unwesen getrieben haben, sorgen nun Sicherheitskräfte für Ordnung. Schon allein, damit Kunden ungestört einkaufen können.
Ausweise kontrollieren
Laut Konzernsprecher Thomas Bonrath würden Mitarbeiter verstärkt die Personalausweise der Jugendlichen kontrollieren, um zu verhindern, dass Minderjährige Alkohol kaufen. "Erhalten Marktmitarbeiter Kenntnis davon, dass ein Erwachsener im Auftrag eines Jugendlichen Alkohol kauft, sind diese angehalten, den Verkauf freundlich, aber bestimmt abzulehnen", so der Rewe-Sprecher. Auch die Stadt hat reagiert und ihren Jugendschutzbeauftragten losgeschickt. Thomas Hädicke geht auf die Jugendlichen zu. "Sie sind gesprächsbereit und einsichtig", sagt er. Das sei jedoch nicht immer der Fall. Kaum drehe er sich um, fliege wieder Müll auf den Boden. Davon lässt sich der Jugendschutzbeauftragte nicht beeindrucken. Er bleibe am Ball, macht aber auch deutlich: "Wir können nicht 24 Stunden vor Ort sein."
Eine "Patentlösung", wie Holger Dittrich es nennt, gibt es nicht. So lange sich die Jugendlichen nicht strafbar machen würden, könne nicht eingegriffen werden. Polizeistreifen seien verstärkt unterwegs, um genau das im Auge zu behalten.