"Ich muss mich mit dem Ergebnis nicht verstecken." (FOTO: archiv Swen Knöchel OB-Kandidat )
Der Erfolg der einen ist die Niederlage der anderen: Als der Verlierer der Abends muss sicher SPD-Hoffnungsträger Kay Senius gelten, der den Einzug in die Stichwahl verpasst hat. "Natürlich bin ich enttäuscht, das ist klar. Wir konnten die Wähler nicht überzeugen", sagte Senius. Er müsse sich fragen, was falsch gelaufen sei. Doch zu möglichen Ursachen wollte sich der 55-Jährige am Sonntag nicht äußern. Er wolle zunächst eine Nacht darüber schlafen und den Wahlausgang am Montag mit der Partei und mit den Wahlhelfern auswerten.
Verluste in Neustadt und Silberhöhe
"Ich muss mich mit dem Ergebnis nicht verstecken", kommentierte dagegen Swen Knöchel (Die Linke) seine 12,4 Prozent. Ein Manko sei gewesen, dass er nicht so bekannt gewesen sei. Insofern wertete er es als Erfolg, dass er bei der erste Wahlumfrage von infratest dimap Ende Mai bei 25 Prozent Bekanntheit gelandet war. "Bei der letzten Umfrage waren es dann schon 41 Prozent", sagte Knöchel. "Aber wir haben jetzt sieben Jahre Zeit bis zur nächsten Oberbürgermeister-Wahl, um aufzuholen." Er zeigte sich sogleich bereit, dann erneut als Kandidat seiner Partei anzutreten. Intensiv, so Knöchel müssten er und Die Linke allerdings das schlechte Abschneiden in den eigentlichen Linken-Hochburgen Halle-Neustadt und Silberhöhe aufarbeitet werden. Auch da hatte CDU-Bewerber Bernhard Bönisch die Nase vorn. "Wir konnten die Wähler dort nicht davon überzeugen, dass wir ihre Erwartungen erfüllen können", so Knöchel selbstkritisch.
Sympathie ja, Stimme nein
Oliver Paulsen von den Grünen ist mit seinem Abschneiden zufrieden. "Es war das erste Mal, dass die Grünen bei der OB-Wahl dabei gewesen sind. Deshalb sind die 8,3 Prozent ein Ergebnis, mit dem ich leben kann." Er habe festgestellt, dass es viel Fürsprache für ihn und die Grünen gegeben habe. "Doch viele haben sich dann doch für einen aussichtsreicheren Kandidaten entschieden, um einen CDU-Oberbürgermeister zu verhindern. Paulsen, der sich demonstrativ gut gelaunt zeigte, blickte bereits auch nach vorn auf die weitere politische Arbeit: "Ich werde dem neuen OB genau auf die Finger schauen."
Während seine Partei beispielsweise in Berlin Akzente gesetzt hat, ist "Pirat" Christian Kunze hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben. "Wir wollten Alternativen zu den anderen Parteien bieten. Das war den Hallensern offensichtlich nicht gut genug." Woran das gelegen haben könnte, dafür hatte der 27-Jährige zunächst keine Erklärung parat. Als einen Rückschlag wollte er das dann aber nicht verstanden wissen.