Drei ausgehobene Gräber. Mit einem rot-weißen Absperrband eingezäunt. Mitten zwischen trinkendem und speisendem Kunstvolk und Besuchern der Jahresausstellung der Burg Giebichenstein, die auf dem Rasen des Design-Campus auf Bierbänken sitzen. Niemand interessiert sich für die Beerdigung, die hier wohl bald stattfinden soll.
Niemand, außer 50 Studenten des Fachbereichs Design. Kurz nach 16 Uhr setzt sich am Samstag vor dem Haupteingang der Villa ein Trauermarsch in Bewegung. Alle Beteiligten tragen schwarze, um die Oberarme gebundene Binden. Und Trauermienen. Zu Grabe tragen wollen sie ihre "lieb gewonnenen Grundlagenfächer". So steht es in dem Manifest der Studenten, das in den Ausstellungsräumen der Fächer Zeichnen, Plastisches Gestalten und Farbe / Licht / Raum an große Holzkreuze gepinnt ist. Dort liegen auch Kondolenzbücher aus. Kerzen und Blumen komplettieren die Grabmale.
Von den sechs Professoren, die es für die Grundlagen-Fächer im Fachbereich Design bisher gab, scheiden drei Professoren zum kommenden Semester aus. Axel Buether (Farbe, Licht und Raum), Thomas Heger (Zeichnen) und Wolfgang Dreysse (Plastik und Naturstudium). Zwei gehen weil ihre befristeten Verträge auslaufen. Einer hört aus Altersgründen auf. Die Stellen sollen zunächst mit künstlerischen Mitarbeitern und Gastprofessoren besetzt werden.
Auf der Bühne neben der Villa angekommen, wendet sich der Anführer des Trauerzuges, Absolvent Thomas Böhme, an das irritierte Publikum. Er spricht von verloren gegangenem Vertrauen und dem "Alleinstellungsmerkmal" der Burg: der Grundlagenausbildung.
Davon, dass diese wahrscheinlich immer noch einer der Hauptgründe ist, warum viele Studenten an die Burg kommen, konnten sich am Samstag und Sonntag die Besucher der Jahressaustellung überzeugen. Auf einem hohen handwerklichen Niveau war ein Großteil der Arbeiten auch in diesem Jahr angesiedelt - im Kunst- und im Designbereich. An über zehn Ausstellungsorten zeigten die Studierenden die Ergebnisse ihrer Arbeit.
Vor allem der Design-Campus am Neuwerk 7 überzeugte mit kreativen Konzepten. Die Leichtbaumöbel von Thomas Beck beispielsweise stehen exemplarisch für ein innovatives, ästhetisches und alltagstaugliches (Burg-)Design. Die blauen und roten Regale und Hocker können aus verschiedenen Materialien gefertigt und nach einem einfachen System zusammengesteckt werden - schwungvolle, leichte Möbel entstehen. Man konnte sehen, dass die Studenten mit Proportionen, Farben, Formen und Räumen umgehen können. Was nicht zuletzt einer qualitativ hochwertigen Grundlagen-Ausbildung zu verdanken ist.
Das diese umstrukturiert wird, haben Max Kimpel, einer der Protestierenden, und seine Kommilitonen bei der letzten Fachbereichssitzung vor vier Wochen erfahren. "Zu spät", findet Kimpel, der im zweiten Semester Industriedesign studiert. "Wir machen uns sorgen um unsere Ausbildung", sagt der 25-Jährige. Die Grundlagenfächer werde es nach der Umstrukturierung nicht mehr in dieser Form geben, wie er und seine Kommilitonen sie kennengelernt haben, ist sich der Hallenser sicher. Mit-Student Heinrich Ehnert pflichtet ihm bei: "Teilzeitkräfte mit befristeten Arbeitsverhältnissen können die Lücken der fehlenden Professuren nicht schließen."
Der Dekan des Fachbereichs Design, Frithjof Meinel, sieht das anders: "Statt sechs Stellen wird es im nächsten Semester neun Stellen geben." Drei künstlerische Mitarbeiter und drei Gastprofessuren zusätzlich. Die Grundlagenausbildung sei daher weiter in dem Umfang wie bisher gewährleistet, sagte der 63-Jährige.
Nach Angaben der Studenten hatte in der Nacht vom Freitag zum Samstag, zwischen 3 und 5 Uhr, eine weitere Protestaktion stattgefunden. Um die 20 Studenten aus dem Fachbereich Design brachten auf den Rasenflächen des Design-Campus ein Meter hohe Holzkreuze an. 140 Stück. Am Samstagmorgen um 10 Uhr als die ersten Gäste der Jahresausstellung das Gelände betraten, waren sie verschwunden. Wer die Kreuze entfernt hat, wissen die Studenten nicht. Der Kanzler Wolfgang Stockert wollte sich zu den Protestaktionen am Wochenende nicht äußern.