Chr. Bergner (FOTO: MZ)
In Sachsen-Anhalts CDU wird versucht, eine erneute Spitzenkandidatur des halleschen Bundestagsabgeordneten Christoph Bergner zu verhindern. Bergner ist Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium und Beauftragter der Regierung für die neuen Bundesländer - und damit der ranghöchste CDU-Politiker aus Sachsen-Anhalt in Berlin. Stattdessen soll die ehemalige Ascherslebener Landrätin und Bundestagsabgeordnete Heike Brehmer Nummer eins werden.
Eingefädelt haben die geplante Personalrochade die CDU-Landtagsabgeordneten Ralf Wunschinski und Frank Bommersbach aus Bergners Wahlkreis Halle / Saalekreis. Beide räumten auf MZ-Nachfrage ein, mit Bergner unzufrieden zu sein: "Er macht sich in seinem Wahlkreis sehr rar", sagte Wunschinski. Und Bommersbach ergänzte: "Es gibt viele, die mit Bergners Arbeit nicht zufrieden sind." Es mangele an der Präsenz des 63-Jährigen im Wahlkreis. Beide sprachen sich für dessen Ablösung an der Spitze der Kandidatenliste für die Bundestagswahl 2013 aus: "Wir würden auf jeden Fall eine Frau an der Spitze unterstützten", so Bommersbach und Wunschinski.
Eine Meinungsäußerung, die noch nicht sonderlich ins Gewicht fiele - würde sie nicht von der Spitze des CDU-Landesverbandes unterstützt. Bei einer Beratung der Frauen-Union mit der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung Maria Böhmer (CDU) soll sich auch der Vorsitzende des CDU-Landesverbandes, Thomas Webel, für einen Wechsel ausgesprochen haben, berichteten mehrere Teilnehmer der Veranstaltung. Webel soll sich eindeutig für Brehmer und gegen "den da aus Halle" positioniert haben, ohne Bergner namentlich zu erwähnen. Webel bestritt dass hingegen. Es sei um die Frauenquote gegangen. Und: "Ich bin immer für eine Frau auf Platz 1, egal auf welcher Liste." Bergner hat von den Attacken gegen sich bereits Wind bekommen und reagiert empört: "Den Vorwurf der Faulheit muss ich mir nicht machen lassen." Er habe keineswegs den Eindruck, dass er nichts für den Wahlkreis und die Region erreicht habe. "Mich überzeugen die beiden, die die Diskussion angezettelt haben, nicht besonders", so Bergner. Und: "Eine solche Debatte parallel zum Oberbürgermeister-Wahlkampf in Halle anzuzetteln, zeugt nicht gerade von großem Verantwortungsbewusstsein." Auch der hallesche Kreisvorsitzende und OB-Kandidat Bernhard Bönisch ist entsetzt; die Diskussion komme zur Unzeit und "ist unglaublich und unmöglich". Er verstehe auch nicht, warum Bergners Arbeit kritisiert werde: "Ich habe daran nichts auszusetzen", sagte Bönisch.