Maximilian Sarge, Peter Weise und Jan Andreas Marquardt (v.l.n.r.) machen mit beim Mykorrhiza-Projekt. Angeleitet werden sie dabei unter anderem von Chris Meixner (hinten l.) und Andreas Wolf (hinten r.) (FOTO: SEBASTIAN)
"Gärda" stand immer immer im Mittelpunkt - wohl auch, weil sie gar nicht so übel gerochen hat wie befürchtet. Und dass "Gärda" so prima funktionierte, das hat sie Andrea Gronemeier zu verdanken. Denn die 24-Jährige hatte die Verantwortung für die einjährige "Gärda" erhalten - eine selbst gebaute Biogasanlage, die zeitweise am "Haus Anneliese" in der Törtener Straße steht und zum Projekt "Mykorrhiza" gehört.
Zum zweiten Mal waren Jugendliche eingeladen, Unternehmer auf Zeit zu werden in einer Stadtteilfirma. Das Konzept des Biwaq-Projektes (Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier) wird von vielen Akteuren unterstützt und gefördert vom Bundesbauministerium und dem Europäischen Sozialfonds. Zwar klingt der Name "Mykorrhiza" sperrig, doch hatten die 17 bis 24 Jahre alten Jugendlichen die Gelegenheit, sich auszuprobieren und ihre eigene Ideen einzubringen.
Am Mittwoch noch wurde neben "Haus Anneliese" fleißig gebaut. Da entstand ein drittes Hochbeet, Peter Weise (23) und Jan Andreas Marquardt (17) bauten. Zwei Beete schon waren fertig und mit Tomaten, Paprika und Erdbeeren bepflanzt. Körperlich arbeiten, handwerklich dazuzulernen, das habe Spaß gemacht, sagt Peter Weise. Und Jan Andreas Marquardt findet gut, "dass man zeigen kann, was man aus der Stadt Dessau alles machen kann. So etwas müsste es viel mehr geben." Nicht nur die Hochbeete entstanden, auch eine Bank wurde gebaut, auf der sich die Bewohner von "Haus Anneliese" oder Besucher ausruhen können. Mit Pflanzenresten wurde ein Biomeiler auf über 60 Grad Celsius Betriebstemperatur gebracht, die Biogasanlage "Gärda" betrieben und "dabei die Grundlagen von Klimawandel, Erneuerbaren Energien und Stoffkreisläufen erlernt", erklärt Projektleiterin Heike Brückner von der Stiftung Bauhaus. "Es wurde gemessen, beobachtet, vorausgeschätzt, kreativ gearbeitet und bilanziert. Das ist wichtig für zukunftsorientierte Berufsfelder", ergänzt Bärbl Penno vom Dessauer Integra-Institut. Außerdem entstand ein Trickfilm, wurden Flyer und Plakate gestaltet, jeder Tag auch mit Fotos dokumentiert.
"Das war bisher das sinnvollste Projekt, an dem ich teilgenommen habe", erklärt Andrea Gronemeier. Da bei allen zehn Teilnehmern die Kreativität gefragt war, konnten sie ihre Ideen umsetzen. "Dabei hatten wir stets Unterstützung", freut sich die junge Frau. So von Axel Wolf ("Gärten zum Liebhaben"), Trickfilmer Alexander Helbing, Chris Meixner und anderen. Dazu gehörte auch Kay Schönemann von der Firma Floratec aus Dessau-Roßlau, der ganz begeistert von den Jugendlichen ist, denn: "Sie haben mich mit Fragen nur so gelöchert." Schließlich sollte und wollte jeder für sich herausfinden, welche Fähigkeiten und Interessen besonders stark ausgeprägt sind.
Am Donnerstag biegt Mykorrhiza 2012 auf die Zielgerade ein. "Heute ab 14 Uhr werden die Ergebnisse der Stadtteilfirma vorgestellt", sagt Netzwerkkoordinatorin Stefanie Schult. Und eingeladen dazu sind alle Interessenten.
Doch nach dieser Woche ist mit Mykorrhiza denn doch noch nicht ganz Schluss. Mit Alexander Helbing wird es im Juli weitere Trickfilmproduktionen geben. "Gärda" reist zu einer Ausstellung nach Hoyerswerda. Und außerdem sollen weitere Bänke gebaut werden, die im Quartier "Am Leipziger Tor" zum Verweilen einladen.
Die Jugendlichen von Mykorrhiza sind dann wieder mit dabei und haben sich freiwillig gemeldet, freut sich Bärbl Penno. Und auch darüber, dass es Mykorrhiza-"Nachwuchs" gibt und sich Jugendliche aus der Lernbehindertenschule bei den kommenden Aktivitäten einbringen werden.