Dessau-Roßlau: Das ist wirklich Ska

24.06.2012 18:45 Uhr | Aktualisiert 25.06.2012 09:31 Uhr
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«This is Ska»

Jeder hatte seinen Spaß. (FOTO: MZ)

Von Steffen Brachert
Das Roßlauer Festival "This is Ska" lockte am Wochenende Stars und Besucher aus der ganzen Welt an. Während Newcomer bei dem Fest überraschten, enttäuschte der Star aus Jamaika.
ROsslaU/MZ. 

Der Star des Abends betrat nicht die Bühne, Lee Scratch Perry erschien. Kurz vor 23 Uhr schlurfte ein Mann im knallroten Kimono und mit einer knallbunt-glitzernden Mütze auf die Bühne, blieb mitten auf ihr stehen, bückte sich und hob einen große weißen Zettel auf. Seine Songliste. Lange zwanzig Sekunden studierte der 76-jährige Mann aus Jamaika die Titel - und begann sein Konzert.

Begann er es? Drei Titel später waren die ersten Fans mindestens verwundert. "Festival, Festival", murmelte Perry immer wieder ins Mikrofon. Als ein aufblasbarer Ball auf die Bühne flog, kickte der weltweit bekannte Star der Ska- und Reggae-Szene ihn zurück in die Massen auf der Roßlauer Wasserburg. Perry hatte eine neue Zeile. "Kick the Ball. Push the Ball", hieß es minutenlang, unterlegt von einem Klangteppich seiner Band, der das Publikum mitwippen ließ. Trotz vieler Irritationen.

16. Auflage mit Gästen aus Mexiko

"This is Ska" hießt es am Wochenende im historischen Gemäuer der Roßlauer Wasserburg. Zum 16. Mal. Und wieder lockte das Festival Besucher aus der ganzen Welt nach Anhalt. "Leute aus Kanada und den USA waren ja schon immer da", sagte Festival-Chef Jörg Folta. "Diesmal kamen sogar welche aus Mexiko. Extra für dieses Festival in Roßlau." Es gibt Dinge, die bringen Folta auch nach 16 Jahren noch zum Erstaunen.

Roßlau hat sich diesen Status in vielen, vielen Jahren erarbeitet. Dank des besonderen Ambientes der Wasserburg. Dank des familiären Flairs. Vor allem aber auch wegen des speziellen Programms. Zwanzig Bands standen Freitag und Sonnabend auf der Bühne - und waren so international wie die Fans vor der Bühne.

"Buster Shuffle war mein persönliches Highlight", gab Folta zu. Die Band aus England beendete in der Nacht zum Sonntag das Festival. Und wie. "Die haben es geschafft, das Genre zu bereichern und zu erweitern. Das gelingt nicht vielen", war Folta am Morgen danach begeistert. Dass Buster Shuffle nach Lee Perry auf die Bühne musste, war am Ende kein Nachteil. "Perry ist ein alter, verrückter, exzentrischer Mann. Genau deshalb verpflichtet man ihn ja", sagte Folta und musste dann aber doch zugeben: "Perry war aus unserer Sicht eine große Enttäuschung. Wir hatten uns da viel mehr erhofft."

Es war aber eine Enttäuschung, die der guten Stimmung vor der Bühne im Burggelände und auf dem Campingplatz zwischen Burg und Deich keinen Abbruch tat. Über 2 500 Fans feierten ein tolles Festival - mit tollen Bands und überraschenden Entdeckungen. So konnten die Ska-Fans aber auch erfahren, dass ausgerechnet aus Dänemark die interessantesten Newcomer kommen. "Leo & the Lineup" überraschten am Freitag viele, weil Ska mit Soul verbunden wurde und die Band statt der Bläsergruppe auf drei Backround-Sängerinnen setzte. "Ich denke", sagte Folta, "dass die nach diesem Festival richtig berühmt werden" So wissen die Ska-Fans jetzt, was ein Holländer unter dem Schottenrock trägt. Nichts. Dafür aber drei Buchstaben auf dem nackten Hintern: "SKA". "Mr. Revier", eine routinierte Ska-Legende aus Holland, gewährte diese Einblicke - und bekam auch einen Wunsch erfüllt. "Bitte, lasst uns nicht über Fußball reden." Kein Problem. Wer ist Holland?

Auf Fußball mussten die Ska-Fans nicht verzichten. Gleich am Eingang hatten die Veranstalter ein Extra-Zelt aufgebaut mit einem Großbild-Fernseher. Vor allem am Freitag war dort das Gedränge groß, als Deutschland Griechenland mit 4:2 deklassierte. Und auch sonst war Folta zufrieden. "Es hat alles geklappt. Das Programm hat gestimmt, das Drumherum war in Ordnung. Ich denke, auch die Kooperation mit den Anwohnern hat geklappt."

17. Auflage ist schon im Blick

Vor allem einer profitierte vom Festival: Gleich gegenüber der Wasserburg hat eines neues italienisches Restaurant aufgemacht, wo die Ska-Fans die ganzen Tage für volle Tische sorgten. "Wir sind zufrieden", sagte Folta, zuversichtlich auf die 17. Auflage von "This is Ska" blickend. 2013 soll es die wieder geben. Mit neuen und alten Stars. Sicher aber ohne Lee Perry.