Dessau-Roßlau: Fußgänger-Corso mit Polizei-Begleitung

14.06.2012 14:32 Uhr | Aktualisiert 14.06.2012 23:46 Uhr
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Corso-Fans

Zu Fuß zogen die Corso-Fans vom August-Bebel-Platz zu McDonalds. (FOTO: SEBASTIAN)

Mit massivem Personaleinsatz hat die Dessauer Polizei am Mittwoch nach dem 2:1-Sieg der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Holland einen Autocorso durch Dessau verhindert.
Dessau/MZ/sb. 

Es ist kurz nach Mitternacht, als Ramon Peters trotzig wird. Eine große Deutschland-Fahne über der Schulter, steht der junge Mann am August-Bebel-Platz und wischt die Enttäuschung weg. "Wir heißen Corso-Freunde - und nicht Autocorso-Freunde. Ich denke, wir haben das Beste draus gemacht." Zufrieden ist Peters nicht.

2:1 hat Deutschland am Mittwoch den Erzrivalen Holland besiegt. Mit einem Bein stehen Jogis Jungs bei der Europameisterschaft im Viertelfinale. 22.36 Uhr war es, als ganz Deutschland in einen euphorischen Freudentaumel versank. Ganz Deutschland? Nein. In Dessau herrschte Tristesse pur.

Intensive Kontrollen der Polizei

Kurz vor 23 Uhr fahren die ersten Autos auf dem August-Bebel-Platz vor. Beobachtet von einem massiven Polizeiaufgebot, das in zahlreichen VW-Bussen rund um den Platz verteilt ist und deutlich macht: Eine Autocorso wird hier und heute nicht geduldet. Einige Fahnen werden geschwenkt. Ein paar Mal wird kurz gehupt. Und sonst? Herrscht Unsicherheit. "Wir wollen die Staatsgewalt nicht noch mehr reizen", sagt Peters. "Die Staatsgewalt" setzt Zeichen: Die Autos werden nur einzeln wieder vom August-Bebel-Platz gelassen. Nach einer intensiven Kontrolle, ob die Fahrer auch nüchtern und alle im Auto angeschnallt sind. Die Lust am Feiern ist schnell dahin.

23.15 Uhr starten die Fans. Zu Fuß. Begleitet von zahlreichen Polizisten, was zu absurden Situationen führt. 23.30 Uhr erreichen die gut 100 Fußballfans die auto-leere Museumskreuzung - und warten an der roten Ampel. "Wir werden hier behandelt wie Schwerverbrecher", kritisiert Peters das enorme Polizeiaufgebot. "Als wir am Sonnabend einen Polizeiwagen brauchten, war keiner zu kriegen."

Der Sonnabend. Der ist noch immer Hauptthema bei den Corsofreunden. Nach dem deutschen 1:0-Sieg gegen Portugal hatten 130 Autos eine Jubelfahrt durch Dessau gestartet - und sich an kaum eine Verkehrsregel gehalten. Dokumentiert ist all das auf Videos, die auf Youtube kursieren und teilweise von den Corsofreunden selbst stammen. Als nach Mitternacht die Willy-Lohmann-Straße blockiert wurde, beendete die Polizei den Autocorso abrupt. Am Tag danach zog das Ordnungsamt der Stadt die Erlaubnis für die nächsten beiden Autocorsos zurück.

Peters ist zwiegespalten. "Wir haben den Bogen überspannt. Es hat einfach zu viele Verstöße gegeben", sagt der Mann von den Corsofreunden. Der Abbruch sei notwendig gewesen. "Wir mussten uns selber schützen. Wir standen mit einem Bein im Knast." Doch Peters trauert auch um den Autocorso. "Sechs Jahre ging alles gut. Das war unser Ding. Da haben wir uns monatelang drauf gefreut. Es wäre auch gut gegangen mit der Polizei als Führungsfahrzeug." Doch das fehlte. Und nun? "Ich verstehe nicht, dass man nicht nach Wegen sucht, wie so ein Corso stattfinden kann." Man wolle doch nur feiern. "Wie andere auch." Doch der Versuch, einen Autocorso anzumelden und damit zu legalisieren, ist in Dessau gescheitert.

Polizei meldet keine Störungen

Die Polizei hat die Zeit der Toleranz für beendet erklärt und am Mittwoch nach dem Holland-Spiel keine Zweifel daran gelassen. "Wir haben die Ordnung und Sicherheit gewährleistet", bilanziert Ralf Moritz, Sprecher der Polizeidirektion Ost, den kompromisslosen Einsatz. "Es hat keine Störungen gegeben. Wir haben den Widerruf der Stadt umgesetzt." Und die Polizei wird das auch weiter mit allem Nachdruck tun.

Am Sonntag, 20.45 Uhr, wird das letzte Vorrundenspiel der deutschen Mannschaft angepfiffen. Dänemark ist der Gegner. Es geht um das Viertelfinale. "Die Polizei wird wieder in ausreichender Stärke präsent sein", sagt Moritz. "Wir werden uns nach dem Spiel wieder auf dem August-Bebel-Platz treffen", kündigt Peters an. Ob es bei dieser EM noch einmal einen Autocorso geben wird? "Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagt Peters. Hoffnungsvoll klingt das nicht.