Dessau-Roßlau: Gedack feiert Jubiläum

08.06.2012 18:43 Uhr | Aktualisiert 08.06.2012 22:07 Uhr
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Firmenchef Ralf Mohs

Firmenchef Ralf Mohs (r.) zeigt Marco Tullner, Staatssekretär im Landeswirtschaftsministerium, Teile für ein Kühlwassersystem von Dieselloks. (FOTO: MZ)

Von DANNY GITTER
Die Gedack Rohrsysteme GmbH ist seit 20 Jahren am Markt. Erfolgsgeschichte begann mit Umzug vom Ruhrgebiet nach Dessau.
DESSAU/MZ. 

Kann man mit Rohren in das Visier amerikanischer Sicherheitsbehörden geraten? Man kann! Zumindest bei der Gedack Rohrsysteme GmbH. Als Hersteller von Rohren für Motoren und Maschinen moderner Schienen- und Baufahrzeuge ist das Dessauer Unternehmen im Industriepark im Norden der Stadt ein Global Player. Kunden aus Europa, den USA und Asien stehen in den Auftragsbüchern.

Für Firmenchef Ralf Mohs ist es selbstverständlich, auch vor Ort zu helfen, wenn ein Kunde Klärungsbedarf bei einem seiner Produkte hat. So geschehen auch bei einem amerikanischen Unternehmen. Anruf, Problemschilderung, nächsten Flieger nach Philadelphia gebucht und ein baugleiches Ersatzrohr sprichwörtlich unter den Arm geklemmt. Das ging gut bis zur Einreise in die USA. "Die amerikanischen Sicherheitsbehörden dachten, ich führe einen Granatwerfer bei mir. Sechs Stunden hat es gedauert, bis ich mit dem Bauteil durch die Sicherheitsprüfung war", schmunzelt Mohs noch heute über die eine Anekdote aus nunmehr 20 Jahren Firmengeschichte.

Know-how in Dessau gehalten

Anfang der 90er Jahre von Ernst Gedack im Ruhrgebiet gegründet, waren zunächst Metallschläuche das Geschäftsfeld. Mit einer stärkeren Fokussierung auf Rohre für Schienenfahrzeuge kam im Jahr 2000 der Kontakt zur Fahrzeugtechnik Dessau zustande. Der Dessauer Betrieb brauchte genau die Produkte, die das Unternehmen aus dem Ruhrgebiet herstellte. Kurzerhand wurde die kleine Firma von der Ruhr in das große Dessauer Unternehmen integriert und zog nach Dessau um.

Gedack verkaufte und ging in den Ruhestand. Durch Liquiditätsprobleme bei der Dessauer Fahrzeugtechnik vor sieben Jahren wurde laut über einen Verkauf der Sparte Rohrsysteme nachgedacht. "Es wäre unklug gewesen, die teuer entwickelten Produkte einfach so zu verkaufen und das Know-how aus Dessau abzuziehen", sagt Mohs. Also entschloss sich der Ingenieur, bis dahin Angestellter der Fahrzeugtechnik Dessau, mit der Gedack Rohrsysteme GmbH sein eigener Chef zu werden.

Seitdem kennt die Firma, die seit 2006 hinter dem Verwaltungsgebäude der DVV Stadtwerke in der Albrechtstraße ihren Firmensitz hat, nur einen Weg. Den nach oben. Der Umsatz stieg von Jahr zu Jahr, zuletzt auf sechs Millionen Euro. Aus 18 Mitarbeitern 2005 sind bis heute über 30 geworden. In seinem nunmehr 20. Jahr ist das Unternehmen so gesund wie noch nie. Mohs sieht dafür entscheidende Gründe. "Die Firma hat sich ohne öffentliche Fördermittel gut entwickelt. Wir nehmen nur Kredite in Anspruch, die wir aber auf Heller und Pfennig zurückzahlen." Zum anderen beginnt die Wertschöpfungskette schon vor Ort.

Mit eigener Forschungs- und Entwicklungsabteilung auf dem Dessauer Betriebsgelände ist der Standort nicht nur eine verlängerte Werkbank. Ständig werden hier neue Produkte entwickelt und technisch umgesetzt. Dafür arbeiten die acht Ingenieure des Unternehmens eng mit den Herstellern von Schienen- und Baufahrzeugen zusammen. In 3D-Modellen an Computern entstehen auf diese Weise Lösungen, wie auf engstem Raum Rohre als Durchleitungen für Kraftstoffe, Kühlwasser und Abgase optimal ihren Zweck erfüllen. Maschinen werden immer komplexer. Da muss jedes Bauteil seine Funktion erfüllen.

Keine Krise in Auftragsbüchern

Patente meldet die Gedack Rohrsysteme GmbH auf ihre Produkte nicht an. "Das ist viel zu teuer. Wir sichern uns unseren technischen Vorsprung, indem wir immer einen Schritt vorausdenken", so Geschäftsführer Mohs. Was heute technischer Standard ist, wird von den Dessauer Ingenieuren schon längst verbessert. So sind sie die ersten, die Lösungen für zukünftige Probleme anbieten können. Unterstützt werden die Dessauer in ihrer Forschung von der Hochschule Anhalt, der Fachhochschule Lausitz und dem WTZ in Roßlau.

Im globalisierten Wettbewerb ist das ein Vorteil. "Günstiger produzieren können die Chinesen und Südafrikaner. Aber das sind Standardprodukte", erläutert Mohs. Teurer, zuverlässiger und innovativer dagegen seien die Rohre made in Anhalt.

Der Markt ist da, die Wirtschaftskrise hat keine Spuren in den Auftragsbüchern hinterlassen. Die Aufträge können abgearbeitet werden, da genug qualifiziertes Personal vorhanden ist.

"Wir stellen derzeit doppelt so viele Mitarbeiter ein, wie in den Ruhestand gehen", blickt der Firmenchef entspannt in die Zukunft. Die heißt Expansion. Eine weitere Werkshalle auf dem Betriebsgelände ist in Planung.