Unberechtigterweise auf dem Fußweg erwischt und in der Heinen-Straße in die Polizeikontrolle geradelt. (FOTO: SEBASTIAN)
Der junge Mann springt blitzschnell aus dem Sattel. An der Zufahrt zum Bowlingcenter in der Dessauer Heidestraße tauchen urplötzlich uniformierte Ordnungshüter auf. Wie aus dem Nichts. Und als sich der Blick öffnet für das scharf am Straßenrand geparkte Einsatzfahrzeug, da ist der Gestoppte schon umringt von einer beachtlichen medialen Traube: Fernsehen mit Kamera und Mikrofon, dazu Reporter, Fotograf und Moderator. Der junge Mann lässt die Kontrolle seines Drahtesels durch die Polizeibeamten klaglos über sich ergehen. Und steht sie ohne Beanstandungen durch.
Dessau ist wieder einmal zur Filmstadt geworden. Am Mittwoch schwärmt das MDR-Fernsehteam für "Sachsen-Anhalt heute" gemeinsam mit Beamten der Polizeidirektion Ost und vom Polizeirevier Dessau-Roßlau aus. Der MDR-Redakteurin Anja Walczak steht neben Kameramann Peter Scherf und Tonassistent Steffen Demuth erneut der Kriminalrat a.D. Lothar Schirmer zur Seite. Der pensionierte Kriminalist ist seit zwei Jahren für Funk und Fernsehen als Autor und Fachberater Prävention weiter öffentlich aktiv. Und im weitesten Sinn um Unfallprävention geht es diesmal.
In die Debatte um gehäufte Fehlverhalten von Radfahrern hatte sich im Frühjahr auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) eingeschaltet und ein zunehmend rücksichtsloses Verhalten von Radfahrern kritisiert. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat den Ball aufgenommen und die Erhöhung der Bußgelder vorgeschlagen. "Es müsse geprüft werden, ob der Bußgeldkatalog für Radfahrer nicht an den für Autofahrer angepasst werden könnte", hatte GdP-Vorsitzender Bernhard Wittauf zugleich auf die nötige höhere Kontrolldichte verwiesen und den Personalmangel hierfür beklagt.
Wie nun sehen beide Seiten - Ordnungshüter und Verkehrssünder im Fahrradsattel - in der selbst ernannten Fahrradstadt Dessau-Roßlau die Sache? Ab der Polizeistation Kochstedt nehmen Polizeikommissar René Nordt, Polizeiobermeister und Polizeisprecher Thomas Barnutz für das Fernsehteam "Radfahrer ins Visier".
Freihändig-Fahrer, die rote Ampeln missachten oder in Schlangenlinien kurven - derart heftig drängte sich zur Mittagszeit kein Radler ins Bild. Sofort fündig werden die Kontrolleure hingegen bei Regelverstößen für die Nutzung der Wege. Auf Fußwegen, die nicht offiziell mit Verkehrszeichen als kombinierter Rad- / Fußweg ausgewiesen sind, haben einzig Kinder bis zu acht Jahren freie Fahrt.
Vor der Museumskreuzung neben dem Dessau-Center wird ein "falscher Pedalritter" mit der Anhaltekelle an den Rand gewunken und mit einem Verwarngeld belegt. Ortswechsel zur Kreuzung Ferdinand-von-Schill-Straße / Hans-Heinen-Straße. Auch hier nutzen die Radler häufig den Bürgersteig. "Weil die Fahrbahn hier so schlecht ist", schob ein sportlich gedresster Mann sein flottes Rennrad seufzend an den Lichtmasten. Der 70-Jährige kommt aus Roßlau, will ins Stadtzentrum und hat den schlechten Radweg in der Albrechtstraße verlassen, "weil das auf einem Sportrad eine Zumutung ist". Dass er gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen hat, war dem Mann bewusst. Dass er für die Ordnungswidrigkeit nun fünf Euro berappen musste: "Bitter. Vor allem, weil ich als Viel-Radfahrer täglich erlebe, wie häufig und hart Radler von Autos bedrängt werden. Und das sieht kein Polizist. Die können ja auch nicht überall sein." Ein junger Mann entlöhnt sein Ordnungsgeld stirnrunzelnd. Der Student ist viel mit dem Rad in der Stadt und Umgebung unterwegs. Aber Radwege gebe es zu wenig und auf den Straßen sei die Fahrbahn häufig in keinem guten Zustand.
Resümee vom Kriminalrat a.D. "Der Zwist zwischen Fußgängern, Rad- und Autofahrern ist Alltag auf unseren Straßen. Aber er darf nicht eskalieren."
"Kommen härtere Strafen für Rüpel-Radfahrer?" ; MDR "Sachsen-Anhalt heute" , Montag, 14. Mai, zwischen 19.00 und 19.30 Uhr