Dessau-Roßlau: Stadtrat bringt «Bauhausstadt Dessau» auf den Weg

11.07.2012 21:07 Uhr | Aktualisiert 12.07.2012 08:20 Uhr
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Bauhaus-Direktor Philipp Oswalt

Bauhaus-Direktor Philipp Oswalt hielt zu Beginn der Stadtratssitzung ein Grundsatzreferat zur Beziehung zwischen Bauhaus und Stadt. (FOTO: SEBASTIAN)

Von Steffen Brachert
Dessau-Roßlaus Stadtrat hat auf seiner Sondersitzung am Mittwochabend den Masterplan Bauhausstadt beschlossen - inklusive des umstrittenen Punktes C 7, der eine Debatte und einen Stadtratsbeschluss zur Umbenennung der Stadt Dessau-Roßlau im Jahr 2013 vorsieht.
Dessau-Rosslau/MZ. 

In namentlicher Abstimmung der 42 anwesenden Stadträte sprachen sich nur die beiden Roßlauer Klaus Tonndorf und Dirk Hofmeister gegen den Masterplan aus. Stefan Giese-Rehm (Bürgerliste / Grüne enthielt sich der Stimme. SPD-Stadtrat Hans-Peter Dreibrodt hatte zuvor unter Protest den Dessauer Ratssaal verlassen. Der Meinsdorfer hatte seine Änderungsanträge nicht begründen dürfen und drohte ein Nachspiel an.

Der Stadtrat hatte zuvor drei Stunden über den Masterplan diskutiert. Philipp Oswalt, Chef der Stiftung Bauhaus Dessau, hatte das Bauhaus als international wirksamstes kulturelle Erbe Sachsen-Anhalts bezeichnet. Es sei ein historisch begründetes Alleinstellungsmerkmal - und der Masterplan ein Stück Selbstverpflichtung, aus diesem Erbe mehr zu machen. Oswalt plädierte zugleich dafür, den Punkt C 7 "zur Seite zu legen". Die Diskussion habe Schaden angerichtet. Ein Beschluss, den Punkt komplett zu streichen, wurde aber abgelehnt. Nur sechs Stadträte waren dafür, darunter Roßlaus Ortsbürgermeisterin Christa Müller, CDU-Fraktionschef Hans-Joachim Mau und Oberbürgermeister Klemens Koschig. In der Abstimmung zum gesamten Masterplan Bauhausstadt schwenkte das Trio um.

"Wenn wir der Stadt dienen wollen, müssen wir das Alleinstellungsmerkmal Bauhaus nutzen und pflegen", hatte Jürgen Neubert (FDP) den von ihm maßgeblich formulierten Masterplan begründet. Der ehemalige Oberbürgermeister betonte, dass mit dem Beschluss keine Entscheidung zur Umbenennung verbunden sei. Zugleich hielt Neubert den Namen "Bauhausstadt Dessau" für unverzichtbar. "Wer A sagt, muss auch B sagen, wenn man A glauben soll." Neubert forderte beim Stadtnamen lokale Eigeninteressen und provinzialisches Denken zurückzustellen.

Wie die FDP-Fraktion versuchten auch die Linke und die SPD, den Umbenennungsprozess als ergebnisoffen darzustellen, um sich dann doch deutlich zur "Bauhausstadt Dessau" zu positionieren. "Wir müssen ein neues Schrittmaß aufnehmen", forderte Linke-Fraktionschef Ralf Schönemann - und sah den Geist der klassischen Moderne in die Stadt zurückkehren. "Wer sich zur Fusion bekannt hat, darf mit dem Denken nicht aufhören", sagte Frank Hoffmann von den Linken. Bürgerliste / Grüne legte sich weniger fest. "Es kann am Ende auch nur der Markenname Bauhausstadt stehen", meinte Fraktionschef Ralf-Peter Weber. "Wir kennen Kosten und Nutzen der Umbenennung nicht."

Die deutlichste Kritik am Masterplan kam von denen, die am Ende dagegen stimmen. Klaus Tonndorf (Neues Forum) sah eine "hinterhältige Intrige", sprach von Wahlbetrug und sah das Vertrauen in Ehrlichkeit, Offenheit und Verlässlichkeit missbraucht. "Roßlau hat seine Schuldigkeit getan." Matthias Bönecke (Pro Dessau-Roßlau) zeigte sich erschüttert ob dieser Vorwürfe. "Das ist dieses Rates nicht würdig." Es könne nicht Ziel sein, Entwicklung einzustellen.

Oberbürgermeister Koschig sah Dessau-Roßlau auf dem Weg zur Bauhausstadt - und forderte erneut einen Bürgerentscheid. Wie auch SPD-Stadtrat Hans-Peter Dreibrodt. Stadtratsvorsitzender Stefan Exner (CDU) entschied aber, darüber nicht abstimmen zu lassen. "Das ist eine Frage des Verfahrens, die später geklärt werden kann." Einige Dinge wurden trotzdem festgelegt. Koschig soll im Auftrag des Stadtrates eine Arbeitsgruppe Bauhausstadt innerhalb der Stadtverwaltung bilden - und leiten. Zugleich sollen von September 2012 bis März 2013 Einwohnerversammlungen zu einer möglichen Umbenennung in allen Stadtteilen stattfinden. Viel Zeit für anderes dürfte dann kaum bleiben.